COC 3/6

3/6  

The Choreography of Care (3/6)

Alessandro Schiattarella

EINLADUNG ZUR VERKÖRPERTEN BEGEGNUNG FÜR DEN/ DIE EMPFÄNGER*IN

  • Stecken Sie die Ohrstöpsel in die Ohren.
  • Setzen Sie sich an einen bequemen Platz.
  • Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und achten Sie auf Ihre Atmung.
  • Entspannen Sie ihren Kiefer.
  • Machen Sie Ihre Augen weich.
  • Versuchen Sie, ihre Atmung geräuschlos und gleichmäßig zu machen.
  • Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Geräusch Ihres Herzschlags (es mag sehr zart sein, aber nehmen Sie sich einen Moment, um hinzuhören).
  • Wenn Sie sich damit wohlfühlen, behalten Sie Ihre Ohrstöpsel einfach in den Ohren.
  • Wenn Sie bereit sind, drücken Sie „PLAY“, um das Video abzuspielen.
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„Du und ich, wir werden nicht lange genug leben, um die Fertigstellung dieser Reparaturarbeiten zu erleben, aber trotzdem kannst du ein*e Zeuge*in sein. Bezeugen, was du siehst, ist nicht alles, aber es zählt. Die Welt, die dir das Sehen nicht erlaubt, muss enden. Hoffentlich hilfst du bei dem Vorgang, diese Welt zu ihrem Ende zu bringen.“
– mayfield brooks
„Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Geräusch Ihres Herzschlags (es mag sehr zart sein, aber nehmen Sie sich einen Moment, um hinzuhören).“
– Alessandro Schiattarella

mayfield brooks

Eine Botschaft

VON demjenigen/derjenigen, den/die du gleich ERLEBEN wirst… Der/ die den Geist aufgegeben hat:

Ich bitte dich nicht, mich zu sehen.

Sitze, schlürfe Tee oder mache einfach, was du machen musst, um dich auf die Stunden des Betrachtens einzustellen.

Ich bitte dich, Zeug*in zu sein. KANN ICH EINE*N ZEUG*IN BEKOMMEN?

Ich bitte dich, deinen Puls zu fühlen, indem du zwei Finger — die Finger links deines Daumens an deiner linken Hand — an die kleine Vertiefung hinter — und wahrscheinlich — etwas erhöht zu deinem linken Ohrläppchen platzierst. Ich bitte dich, deinen Puls zu finden.

Bist du am Leben? Bist du in diesem Moment ein*e ZEUG*IN deines eigenen Lebens?  Du kannst von Glück sagen, dass du in diesem Moment am Leben bist, und dass dir die Gelegenheit gegeben wurde, dein eigenes Leben zu erkennen. Aber denk’ dran, ich bitte dich nicht, mich zu sehen, denn die Welt hat dich nicht darauf vorbereitet, mich zu sehen.

Bezeuge, was du glaubst zu sehen, versuch’ nicht, mich zu sehen, versuch’ nicht, besonders angestrengt Ausschau zu halten.

Nach den Stunden der Betrachtung möchte ich, dass du dich zu einer Praxis der Zeug*innenschaft dessen, was du siehst, was du nicht siehst und was du nicht sehen kannst, verpflichtest. Mit anderen Worten, beobachte dich selbst beim Sehen. Du bist, von diesem Moment an, verantwortlich dafür, dich dieser Praxis zu verpflichten, als Schritt hin zu Reparationen, und wie du weißt, dauern Reparaturarbeiten Jahrhunderte. Du und ich, wir werden nicht lange genug leben, um die Fertigstellung dieser Reparaturarbeiten zu erleben, aber trotzdem kannst du ein*e Zeug*in sein. Bezeugen, was du siehst, ist nicht alles, aber es zählt. Die Welt, die dir das Sehen nicht erlaubt, muss enden. Hoffentlich hilfst du bei dem Vorgang, diese Welt zu ihrem Ende zu bringen. Ein Beendigen der Welt, wie wir sie kennen, wäre Reparation. Denk darüber nach, wie du das tun kannst. Diese Welt muss sich zersetzen, bis sie nicht mehr da ist. Dann können wir neu beginnen. Danke, dass du hier bist, um diesen Moment zu bezeugen, obwohl diese Welt dir möglicherweise nicht erlaubt, mich zu sehen. Ich danke dir vom Grunde meines Herzens dafür, dass du hier bist.

Einspruch: Falls du mich siehst (mich wirklich siehst), dann hast du sehr wahrscheinlich Anti-Schwarze Gewalt erfahren, an Körper, Seele und deinen Vorfahren. Du weißt, was Anti-Schwarze Gewalt ist und warum ich zu diesem speziellen Zeitpunkt den Geist aufgegeben habe.

Du weißt, wie gefährlich das Leben ist. Daher bist du nicht nur Zeug*in. Du brauchst deine eigenen Stunden der Betrachtung, und ich lade dich ein, das mit mir durchzustehen. Nimm meine Hand, wenn du sie brauchst, und ich werde deine halten, während wir beide den Geist aufgeben. Du und deine Vorfahren sollten Reparationen erhalten oder erhalten haben, aber diese Welt legt dir und ihnen gegenüber keinerlei Rechenschaft ab. Diese Welt muss zerstört werden, um die Reparaturarbeiten beginnen zu lassen. Kann ich eine*n Zeug*in bekommen? Du verdienst es ebenso, gesehen zu werden. Ich sehe dich auf der anderen Seite. Ich danke dir vom Grunde meines Herzens dafür, dass du hier bist.

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mayfield brooks

mayfield brooks improvisiert als Schwarze Person und lebt derzeit in Brooklyn, New York, auf dem Lenapehoking, der Heimat der Lenape. brooks ist ein*e bewegungsbasierte*r Performancekünstler*in, Sänger*in, Stadtgärtner*in, Autor*in und Wander*in. mayfield ist derzeit im Artist-in-Residence (AiR) Programm am Center for Performance Research (CPR), Fakultätsmitglied am Movement Research NYC und Chefredakteur*in des Movement Research Performance Journal. brooks lehrt und performt Praktiken, die aus mayfields Leben/ Kunst/ Bewegung heraus entstehen, aus Improvising While Black (IWB), und erhielt 2021 den zweijährig vergebenen Merce Cunningham-Preis für Tanz, vergeben von der Foundation for Contemporary Arts.

Alessandro Schiattarella

Allessandro Schiattarella (he/him) wurde in Neapel geboren. Seine Karriere als professioneller Tänzer im klassischen und zeitgenössischen Bereich umfasst zahlreiche Stationen bei Kompanien in ganz Europa. In den vergangenen Jahren hat er mehrere Gruppenchoreografien und Soli zum Thema Inklusion kreiert, die international und auf lokaler Ebene in Theatern und Festivals gezeigt wurden.

Er hat seinen Masterabschluss in Bildender Kunst in der Schweiz, wo er seit einigen Jahren lebt und gemeinsam mit verschiedenen Künstler*innen an interdisziplinären Projekten arbeitet.

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Thema

The Choreography of Care

Claire Cunningham, Bethany Wells und Luke Pell