Thema
Labor für kreative Audiodeskription
Community of Reception von Fia/Sophia Neises und Zwoisy Mears-Clarke
Programm 2026
Wir starten neu – und laden ein. Das Labor für kreative Audiodeskription für Tanz geht 2026 weiter: als Raum für künstlerische Praxis, gemeinsames Lernen und Zusammenarbeit – ausgehend von den Perspektiven blinder und sehbehinderter Menschen.
Am tanzhaus nrw entwickelt eine Community of Reception, Forschende und Künstler*innen unter der Leitung von Sophia/Fia Neises und Zwoisy Mears-Clarke, Tanz weiter – als Kunstform, die von unterschiedlichen Wahrnehmungsstilen ausgeht. Im Mittelpunkt steht Audiodeskription hierbei als künstlerische Praxis, die Bewegung, Sprache und Klang miteinander verbindet und neue Zugänge zu Tanz eröffnet.
Von Juni bis Oktober 2026 legt das Labor für kreative Audiodeskription einen Fokus auf gemeinsames Entwickeln und Produzieren. Tanzkünstler*innen unterschiedlicher Sehvermögen arbeiten in kollaborativen Teams und entwickeln kurze Stücke. Verschiedene Wahrnehmungsstilen werden zum Ausgangspunkt deren künstlerischer Prozesse. Audiodeskription ist dabei von Anfang an Teil der künstlerischen Arbeit und prägt, wie Bewegung entsteht, beschrieben wird und erfahrbar ist. Die entstandenen Tanzstücke werden am tanzhaus nrw präsentiert und laden dazu ein, Tanz neu zu erleben.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Verbindung von Tanz und Clubkultur. In der Verbindung von Audiodeskription, Musik und MC-Praktiken werden Formate erforscht, die eine gemeinsame Tanzpraxis jenseits visueller Orientierung ermöglichen. Der Fokus liegt auf der Frage, wie kollektive Erfahrung, Rhythmus und Nähe hergestellt werden können – und welche ästhetischen Strategien daraus entstehen. Wie entsteht eine Verbindung im Raum? Wie lässt sich ein gemeinsamer Rhythmus spüren?
Das Labor für kreative Audiodeskription versteht sich als Raum für Austausch, Lernen und künstlerische Entwicklung. Es fördert Perspektiven blinder und sehbehinderter Menschen im Tanz und arbeitet daran, Barrieren abzubauen – praktisch, künstlerisch und strukturell. So entstehen neue Formen der Zusammenarbeit und neue Zugänge zu Tanz.
Neu in 2026
Wir verbinden Workshop, künstlerische Produktion und Tanzparty:
– Entwicklung kurzer Tanzstücke in kleinen Teams
– kreative Audiodeskription trifft auf MC- und Sound-Praktiken
– Experimente für eine Tanzfläche, die ohne visuelle Orientierung einladend ist.
Unsere Vision
Tanz und Kunst als Räume, in denen Menschen mit unterschiedlichen Wahrnehmungstilen selbstverständlich zusammenkommen, gestalten und ganzhaben.
Wie wir zusammenarbeiten
Wir gestalten den Raum gemeinsam. Das bedeutet:
– Du entscheidest selbst, was du brauchst, und kannst das jederzeit einbringen
– Fragen stellen, ausprobieren und unsicher sein ist ausdrücklich willkommen
– Unterstützung passiert nach Absprache – nicht ungefragt
– Wir achten auf diskriminierungssensible Sprache
– Wir verstehen Rückmeldungen als Teil eines gemeinsamen Lernprozesses
– Fehler können passieren – entscheidend ist, wie wir damit umgehen
Egal, ob du schon öfter dabei warst oder neu einsteigst – wir freuen uns auf dich
SAVE THE DATE – erster Workshop: 20. & 21. Juni 2026
Eingeladen sind blinde und sehbehinderte Interessent*innen sowie Tanzkünstler*innen, Tänzer*innen, Performer*innen, Audiobeschreiber*innen, Dramaturg*innen jeglichen Sehvermögens und alle, die sich für ästhetische Barrierefreiheit und kollaborative Prozesse interessieren.
Was Dich erwartet
– Gemeinsames Erforschen von Tanz und Audiodeskription als künstlerische Praxis
– Zentrierung von blinden und sehbehinderten Perspektiven
– Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichen Wahrnehmungsstilen
– Zeit, um eigene Zugänge zu Bewegung, Sprache und Sound zu entwickeln
– Einen Raum zum Kennenlernen, Vernetzen und Zusammenarbeiten
Intro-Workshop zu kreativer Audiodeskription für Tanz
Als Teil des Netzwerks Making a Difference (MAD) vergeben wir eine Residenz im tanzhaus nrw für ein*e behinderte, Taube oder chronisch kranke Künstler*in aus Berlin oder NRW.
Fia/Sophia Neises ist weiße queere sehbehinderte Performerin, Dramaturgin, Theaterpädagogin und Aktivistin für die Rechte behinderter Menschen. Sie arbeitet inklusiv als Choreografin und Tänzerin für Stücke und immer wieder auch als Dramaturgin für sehbehindertes und blindes Publikum. Zwoisy Mears-Clarke versteht sich als Choreograf*in der Begegnung. Das spiegelt sowohl Zwoisys Ansatz als Schwarze*r queer*e Choreograf*in als auch als Community Organizer (wörtlich übersetzt: ‚Gemeinschaftsorganisator*in‘) wider. Seit Beginn von Zwoisys Karriere entwickelt Zwoisy mit einem intersektionalen Ansatz Tanzstücke für ein Publikum von sehbehinderten, blinden und sehenden Menschen. Fia/Sophia Neises & Zwoisy Mears-Clarke arbeiten seit 2016 zusammen. Kontinuierlich teilen sie ihr Wissen und ihre Erfahrung mit Tanzkünstler*innen und Mitgliedern der sehbehinderten und blinden Community und forschen gemeinsam mit ihnen weiter.
Regelmäßige Mitwirkende des Labors sind u. a.: Agnes Kappaun, Alexander Panevin, Andrea Eberl, Britta Van Hall, Camilla Moitroux-Fusshoeller, Fabian Lilian Korner, Melanie Hambrecht, Nismiye Önder, Sabine Kuxdorf, Traugott Sobiech, Yasha Müller.
Audiobeiträge
Forschungsfeld Audiodeskription – Tanz für alle erfahrbar machen. Ein Audiobeitrag über das Labor für kreative Audiodeskription am tanzhaus nrw, eine Community of Reception von Fia Neises und Zwoisy Mears-Clarke
Amy Zayed, Kulturjournalistin aus Köln, hat sich auf die Spuren des im April 2023 gestarteten Labors für kreative Audiodeskription für Tanz begeben und die beiden Leiter*innen Fia Neises und Zwoisy Mears-Clarke getroffen. Woran wird in diesem Labor geforscht? Welche Ergebnisse und Erkenntnisse gibt es? Und wie geht es weiter? Neben den beiden Leiter*innen spricht Amy Zayed außerdem mit den Teilnehmer*innen Sabine Kuxdorf und Thaddäus Maria Jungmann. Die beiden Tanzschaffenden aus NRW haben sich im Labor für kreative Audiodeskription kennengelernt und entwickeln nun im Tandem Audiobeschreibungen für Tanzaufführungen am tanzhaus nrw.
Von & mit: Kulturjournalistin: Amy Zayed; Sounddesign: Katrin Meier; Speaker*innen: Thaddäus Maria Jungmann, Sabine Kuxdorf, Zwoisy Mears-Clarke, Sophia/Fia Neises
Audiobeitrag "Forschungsfeld Audiodeskription – Tanz für alle erfahrbar machen"
Labor für Audiodeskription
Audiobeitrag "Blind verstehen - der PRO RETINA-Podcast"
#65 Augen zu – die Magie des Tanzens!
Ansprechpartnerin: Lucie Ortmann, dramaturgie@tanzhaus-nrw.de
Audiodeskriptionen am tanzhaus nrw
Audiodeskriptionen werden am tanzhaus nrw ab Dezember 2024 von einem Tandem entwickelt, das sich im Rahmen des Labors für kreative Audiodeskription gebildet hat. Das Tandem aus Sabine Kuxdorf und Thaddäus Maria Jungmann lotet die Ausdrucksformen, Facetten und Grenzen von Audiodeskription aus. Im Sinne der aesthetics of access stehen die beiden Beschreiber*innen – anstatt die Audiodeskription nachträglich hinzuzufügen – bereits während des Probenprozesses im Austausch mit den Choreograf*innen. Ihr Stil der künstlerischen Audiodeskription geht über die klassische, neutrale Übersetzung visueller Informationen hinaus, experimentiert mit Sprache und ermöglicht blindem und sehbehindertem Publikum über Kopfhörer einen sinnlich-atmosphärischen Zugang zu den jeweiligen Stücken.
Sabine Kuxdorf
Sabine Kuxdorf ist eine in Köln ansässige Sozialarbeiterin. Erste Tanzerfahrungen sammelte sie im Rahmen des Stücks Collisions Interdites vom DIPHTONG KOLLEKTIV in welcher sie 2022 performte. Sie ist blind und arbeitet als Performerin sowie Beraterin im Bereich Access-Dramaturgie und Teilhabe bei Theater- und Tanzproduktionen in NRW, u. a. mit Khadidiatou Bangoura und der Sticky Fragments Physical Theatre Company.
Thaddäus Maria Jungmann
Thaddäus Maria Jungmann lebt als freiberufliche*r Performer*in in Köln. In der eigenen künstlerischen Praxis beschäftigt sie sich mit der Handlungsmacht von Objekten im Verhältnis zu ihrem eigenen queeren Körper. Als Journalist*n kam sie durch das Schreiben über Tanz zur Audiodeskription. Momentan erforscht sie im Masterstudiengang Tanzwissenschaft an der Hochschule für Musik und Tanz Köln das Feld der künstlerischen Audiodeskription.
Unsere nächsten Vorstellungen mit kreativer Audiodeskription
Do 30.04.2025
Am Donnerstag, den 30.04. findet A Change is as Good as a Rest von Elsa Artmann / SANFTE ARBEIT statt. Vorstellung um 20:00. Dauer 70 Minuten.
HIER geht’s zu der Veranstaltung.
Das Labor für kreative Audiodeskription wird im Jahr 2026 vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Weitere Projektteile wurden bislang vom Bündnis internationaler Produktionshäuser, der Kunststiftung NRW im Rahmen von MAY I HUG YOU sowie der Norbert-Lammert-Stiftung unterstützt.