Anne Teresa De Keersmaeker / Rosas , GLA55. 10 movements to the music of Philip Glass
Bestimmte ‚frühe Werke‘ tragen eine besondere Energie: Sie bewahren den Moment ihrer radikalen Erfindung. In GLA55 wendet sich Anne Teresa De Keersmaeker erstmals den Anfängen von Philip Glass zu – vier minimalistischen Kompositionen aus den Jahren 1969-70, geprägt vom Einfluss des indischen Sitarspielers und Komponisten Ravi Shankar und einer neuen Idee musikalischen Flusses jenseits fester Takte. Aus repetitiven Miniaturen entsteht ein tranceartiger, zugleich präziser und unvorhersehbarer Strom. Kreise, Spiralen, Ellipsen und die Lemniskate ∞ werden zu choreografischen Leitfiguren eines Stücks, das Bewegung als fortwährende Verwandlung begreift. Rosas bringt dafür sechs virtuose Tänzer*innen auf die Bühne, die in Kollaboration mit der Musik der Ensembles Ictus und Bl!ndman eine körperliche Praxis suchen, die alle Taktstriche auflöst.
Seit Jahrzehnten prägt Anne Teresa De Keersmaeker/Rosas die internationale Tanzlandschaft, und ihre Gastspiele werden am tanzhaus nrw stets mit großer Vorfreude erwartet. Mit GLA55 kehrt eine der bedeutendsten Choreograf*innen unserer Zeit nun mit einem neuen Ensemblestück für sechs Tänzer*innen zurück – einer Arbeit, die die hypnotische Kraft des Minimalismus, die Virtuosität von Rosas und die enge Verbindung von Tanz und Musik auf eindringliche Weise erfahrbar macht.
Eine zentrale Rolle spielen dabei die Brüsseler Ensembles Ictus und Bl!ndman, die zu den prägenden Formationen für zeitgenössische und experimentelle Musik zählen. Ictus, 1994 als musikalischer Partner von Rosas gegründet, arbeitet seit Jahrzehnten an den Schnittstellen von Neuer Musik, Performance, Klangkunst und Choreografie und ist für De Keersmaeker ein langjähriger künstlerischer Weggefährte – GLA55 markiert bereits ihre sechzehnte Zusammenarbeit. Auch am tanzhaus nrw war Ictus bereits zu erleben, zuletzt in Arbeiten von Choreograf*innen wie Ula Sickle.
Bl!ndman wiederum hat sich mit seinen genreübergreifenden, oft performativen Projekten einen internationalen Ruf erarbeitet. Ausgehend von einem Saxofonquartett entwickelte sich das Kollektiv zu einer vielgestaltigen Formation, die musikalische Präzision mit Experiment, Raumklang und anderen Kunstformen verbindet. Für GLA55 treffen die unverwechselbaren Klangwelten von Ictus und Bl!ndman auf die choreografische Radikalität von Rosas – eine Begegnung, die den tranceartigen Sog von Philip Glass’ früher Musik unmittelbar erfahrbar macht.
| Datum | Rahmenprogramm |
|---|---|
| Sa 28.11. 19:00 | Physical Introduction mit Ada Sternberg |
Konzept, Choreografie, Inszenierung: Anne Teresa De Keersmaeker; Entwickelt und getanzt von: Boštjan Antončič, Niklas Capel, Lav Crnčević, José Paulo dos Santos, Sunai Elbers, Sue Yeon Youn; Musik: Music in Contrary Motion, Music in Fifths, Music in Similar Motion und Music with Changing Parts von Philip Glass; Musik: Ictus & BL!NDMAN; Musiker*innen: Fabian Coomans, Chryssi Dimitriou, Aisha Orazbayeva, Hendrik Pellens, Jean-Luc Plouvier, Piet Rebel, Eric Sleichim; Lichtdesign: Minna Tiikkainen; Kostüme: Aouatif Boulaich; Dramaturgie: Wannes Gyselinck; Sounddesign, Ton: Alexandre Fostier.
Eine Produktion von Rosas. Koproduziert durch Berliner Festspiele, Concertgebouw Brugge, Festival d’Automne à Paris, Schrit_tmacher Festival (Heerlen), Piccolo Teatro di Milano – Teatro d’Europa, La Villette (Paris). Mit Unterstützung von Dance Reflections by Van Cleef & Arpels. Diese Produktion wird mit Unterstützung des Tax-Shelter-Programms der Belgischen Föderalregierung über Casa Kafka Pictures realisiert. Rosas wird von der Flämischen Gemeinschaft und der Flämischen Gemeinschaftskommission (VGC) gefördert.