Performance Double Bill

Karol Filo & Mike Dele Dittrich Frydetzki , Non-Violent Bodies (solo) & East German Fragilities – Lust auf Gewalt

FFT, Bühne II

8 €, erm. 5 €

Termine

Person in Bewegung und unscharf im Vordergrund, goldene Buchstaben formen Wort an Wand mit Textfragmenten im Hintergrund.

Karol Filo: Non-Violent Bodies

Person auf Bühne öffnet Jacke und zeigt T‑Shirt mit Aufschrift „Ostdeutschland“, trägt Tarnhose, dunkler Hintergrund.

Mike Dele Dittrich Frydetzki: East German Fragilities – Lust auf Gewalt

Zwei Soli, zwei junge Positionen, zwei Auseinandersetzungen mit Ostdeutschland und Osteuropa in den 90er-Jahren: Karol Filo blickt auf Tschechien und die Slowakei in den 1990er-Jahren. Die Brutalität rechtsextremer Skinheads trifft auf Wellen antifaschistischer Gegengewalt. Der in der Slowakei geborene Theater- und Videokünstler betrachtet die Zeit und setzt sie ins Verhältnis zum Ideal der Gewaltlosigkeit.

Mike Dele Dittrich Frydetzki wird zu Maik: dem Jungen vom Dorf, dem kleinen Schisser, der halben Portion. In einer semi-fiktionalen Begegnung mit der eigenen Vergangenheit fragt Mike, was es geheißen haben könnte, im Ostdeutschland der 90er-Jahre als weißer Junge aufzuwachsen. In einer queeren Selbstinszenierung zwischen Ohnmachtsgefühl und Drohgebärden, behauptet Mike eine andere Perspektive.

Zu Beginn: Einführung mit Carena Schlewitt, Intendantin HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste, Dresden

Eingeladen zum Festival Osten (Bitterfeld-Wolfen) und zum Festival KRIK (Skopje). Sowie zum HAU (Berlin) für eine Residenz und eine Präsentation.

Karol Filo ist ein in der Slowakei geborener, in Prag lebender interdisziplinärer Künstler und Performer, dessen Arbeit die Schnittstellen von dokumentarischer Performance, sozialer Vorstellungskraft und persönlicher Erzählung untersucht. Er hat Alternatives und Puppentheater an der DAMU in Prag studiert und Praktika am HKU in Utrecht und AVU in Prag absolviert. Seine dokumentarischen Performances language barrier equal und The Good Times Are Over haben 2022 und 2025 den „Projekt des Jahres“-Preis des Příští vlna/Next Wave Festival gewonnen. The Good Times Are Over hat er ebenfalls am HELLERAU gezeigt, bevor er dort Teil der Dreaming 90-Residenz wurde und die Arbeit Non-Violent Bodies beim Kulturforum Transformation Forever gezeigt hat. 
Er hat seine Werke in der Tschechischen Republik, der Slowakei, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Ungarn und auf Martinique geschaffen und präsentiert. Er beschäftigt sich mit Themen wie Nähe, Polarisierung, Gewalt, Moral, Widerstand, Machthierarchien, Propaganda und Kolonialismus, die ihn besonders abseits der Bühne interessieren, weshalb er sie in echten Situationen, Beziehungen, inneren Konflikten und Vorstellungen untersucht. Er verbindet dokumentarische, theatralische, filmische, konzeptuelle und ethnografische Ansätze mit der Wunscherfüllung. Seine künstlerische Praxis, aufgrund dessen er versucht, Realität zu verstehen, ist auf Forschung gegründet. Daher interagiert er damit und beobachtet, wie unterschiedliche Akteur*innen einander verändern.

Mike Dele Dittrich Frydetzki ist Künstler*in und Kulturwissenschaftler*in. Dey arbeitet als Performer*in, Regisseur*in, Dramaturg*in, Fahrer*in und künstlerische Leitung von Theater/Performanceprojekten und Festivals. Inhaltlich liegt deren Fokus auf der Reflexion der eigenen post-ostdeutschen Herkunftsgeschichte, queerfeministischen Fragestellungen und solidarischen, kollektiven Arbeitspraktiken. Mike studierte angewandte Theater-, Medien- und Kulturwissenschaften in Hildesheim, Gießen und Warschau. Mike arbeitet so gut wie nie allein.

Non-Violent Bodies (solo) von Karol Filo ist in Englischer Sprache, East German Fragilities  Lust auf Gewalt von Mike Dele Dittrich Frydetzki in Deutscher Sprache.

Triggerwarnung: Non-Violent Bodies (solo) von Karol Filo: Gewalt, Diskriminierung, Tod.

Karol Filo: Non-Violent Bodies

In Non-Violent Bodies begibt sich Karol Filo ins Tschechien und die Slowakei der 90er Jahre. Eine Zeit, in der ein Teil der Gesellschaft glaubte, die politische Natur des Alltagslebens habe sich im neoliberalen Traum vom freien Markt und individuellen Wettbewerb aufgelöst. Gleichzeitig verfolgten Mitglieder der antifaschistischen Bewegung aufmerksam die Aktivitäten von rechtsextremen und neonazistischen Skinheads und entschieden sich oft für Gegengewalt. Im Spannungsfeld zwischen der europäischen Fantasie der Gewaltlosigkeit und der gelebten Realität physischer Konfrontation untersucht Karol Filo in dieser Lecture-Performance, was es bedeutet, sich selbst und diskriminierte Gruppen zu verteidigen.

Autor*in/Performer*in: Karol Filo; Ko-Autor*in Text: Radek Wollmann; Dramaturgische Mitarbeit: Viktor Prokop, Orin Rodrigues; Künstlerische Beratung: Gosia Wdowick, Ira Brand, Robert Smolík; Produktion: Unkulunkulu, KLAS CREW. Besonderer Dank an: Janka Dold, Tobiáš Nevřiva, Sodja Lotker, HELLERAU, Studio ALTA, KALD DAMU, Malá inventúra, ART-IN-RES, Naplaveno.

Mike Dele Dittrich Frydetzki: East German Fragilities – Lust auf Gewalt

In dieser semi-fiktionalen Begegnung mit der eigenen Vergangenheit wird Mike zu Maik und macht sich auf die Suche nach der eigenen Kindheit im Ostdeutschland der 90er Jahre. Maik dringt ein in die Erzählung über ostdeutsche Männlichkeiten der Nachwendezeit, um sie von innen heraus auseinander zu nehmen. Was macht die Erfahrung der Schutzlosigkeit in Gegenwart (rechter) Gewalt mit dem Leben und der Selbstwahrnehmung von Heranwachsenden? Wie schreiben sich Aggression, Angst und Anpassung in den Körper ein?
In einer queeren Selbstinszenierung mit T-Shirt-Slogans, Power Posen, Rap und Drag Performance, zwischen Ohnmachtsgefühlen und maskulinistischen Drohgebärden, unternimmt Mike den Versuch, eine andere Perspektive zu behaupten.

Konzept/Performance: Mike Dele Dittrich Frydetzki; Szenografie: Raiko Sánchez; Kostüm: Iggi Meerstein; Musik: Sophia Ziesch (Ida Bux); Dramaturgie: Maria Rössler; Objekt: Torsten Rötzsch.

Koproduktion von MDDF/Die Soziale Fiktion GbR mit HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste im Programmschwerpunkt: „Spurensuche“. Dieses wurde gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Darüber hinaus wird der Schwerpunkt unterstützt im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Auf weißem Grund steht in Großbuchstaben der Text "SHIFT THE VIBE". Die Buchstaben sind in rot und lila gehalten und bestehen aus mehreren Ebenen, sodass eine Unschärfe, ein Glitch entsteht.

Festival · 10. – 13.09.2026

Claiming Common Spaces VIII

Shift the Vibe