Uraufführung
Darko Radosavljev , There is no picture of my parents and me (until there was)
Kleiner Saal
Termine
Es gibt kein Bild von Darko Radosavljev mit seinen Eltern – bis plötzlich doch eines auftaucht. Ausgehend von dieser Leerstelle entfaltet sich eine choreografische Auseinandersetzung mit Erinnerung, Projektion und der Frage, wie familiäre Bilder entstehen. Zwischen zeitgenössischem Tanz und popkulturellen Referenzen bewegt sich der Körper durch unterschiedliche Rollen, Zuschreibungen und Vorstellungen davon, wie man gesehen wird und sich selbst entwirft. Erinnerungen erscheinen dabei nicht als feste Erzählung, sondern als etwas, das sich im Bewegen, Wiederholen und Verkörpern verändert.
Anstatt das fehlende Bild ersetzen zu wollen, entstehen im Verlauf der Performance immer neue Familienbilder: flüchtig, performt, widersprüchlich. Kleidung, Musik und Gesten werden zu Trägern von Erinnerung und Transformation. Aus autobiografischem Material entwickelt Radosavljev eine vielschichtige choreografische Arbeit über Verlust, Identität und die Möglichkeit, sich selbst und andere immer wieder neu zu sehen.
Darko Radosavljev, geboren in Serbien, arbeitet und lebt als Choreograf und Tänzer in Essen und Berlin. Er studierte Tanz und Choreografie an der Folkwang Universität der Künste in Essen und bei P.A.R.T.S. in Brüssel, sowie Kunst und Politik an der Goldsmiths University of London und an der London School of Economics. Er war von 2010 bis 2015 erster Tanzstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und erhielt 2018 für sein Solo-Stück Seascape die Einstiegsförderung der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Seine Arbeiten wurden bei der Liverpool Biennial, Performing Arts Festival Berlin, Act! Bilbao, Tanzfabrik Berlin, Uferstudios Berlin, tanzhaus nrw, Pact Zollverein und tanz nrw gezeigt. Darko Radosavljev war von 2017 bis 2023 Ensemblemitglied des Folkwang Tanzstudio und arbeitete u. a. mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, Anne Teresa de Keersmaeker, Boris Charmatz, Reinhild Hoffmann, Xavier Le Roy, Susanne Linke und Nevin Aladağ zusammen. There is no picture of my parents and me (until there was) ist die zweite Koproduktion zwischen ihm und dem tanzhaus nrw.
Dauer: ca. 60 Min.
In der Performance gibt es Passagen mit gesprochenem Englisch.
| Datum | Rahmenprogramm |
|---|---|
| Fr 22.05. 18:00 | Offene Probe |
| Sa 30.05. im Anschluss |
Artist Statement
„Als Kind spielte ich am liebsten mit der Verkleidungskiste in der nahegelegenen Kita. Es waren meist die Bilder meiner Eltern, die ich davor im Schrank meiner Oma gefunden hatte, die mich beim Spielen inspirierten und deren Rollen ich in der (für mich) wertvollen Kleidung übernahm. Erst als Erwachsener merkte ich, dass mein Spielen versuchte auszugleichen, dass es kein gemeinsames Bild von meinen Eltern und mir zu dritt gab.
Mit dem Projekt vollende ich meine Trilogie über verkörperte Erinnerungen und bewege mich thematisch in einen Bereich, den ich bisher nur metaphorisch angedeutet habe – nämlich den frühen Tod meiner Eltern. Diese frühe Zäsur bildet auch den Kern meiner vorherigen Arbeiten: Meine Sehnsucht Körper zusammenzubringen, die sich außerhalb des Bühnenraums nicht (mehr) vereinen lassen. Mit dieser Arbeit verfolge ich das Ziel einen Raum zu öffnen, der die Projektion von Wünschen und Sehnsüchten auf Bilder aufzeigt und den Prozess offenlegt, wie Bilder und Ikonografien uns im Heranwachsen prägen und unser (Selbst-)Verständnis von Körpern und der Begegnung in Gemeinschaften beeinflussen. Ich denke da an das Bild von meinem Vater als Halbstarken auf zwei selbst zusammengeschraubten Motorrädern. Und meinen schlaksigen Körper im selben Alter, wie er sich im modernen Tanz zurecht zu finden sucht. Als choreografisches Prinzip verwebe ich Elemente der Fiktion, d. h. meine Fantasien, über eine körperliche Begegnung und das Annehmen verschiedener (körperlicher) Rollen, mit nicht-fiktionalen Zeitdokumenten wie Bildern und persönlichen Dingen. Eine Spurensuche, die im Prozess des Verweilens, Ausprobierens und Ausreizens eines körperlichen Dialogs mit Bildern dazu einlädt, eine eigene Perspektive zu einem sich immer wandelnden (Familien)Bild zu entwickeln.“
Künstlerische Leitung, Choreografie, Performance: Darko Radosavljev; Dramaturgische Beratung: Thomas Schaupp; Licht- und Sounddesign: Jörn Nettingsmeier; Bühnenbild und Videodesign: Sébastien Dosantos Capouet; Bühnenbild: Daniel Mendoza; Recherche, Beratung: Lena Tacke; Kostümberatung: Lydia Sonderegger; Soundberatung: Manuel Riegler; Outside Eye: Conal Francis-Martin; Fotografie Performance: Ursula Kaufmann; Videodokumentation: Nathan Ishar; Produktionsleitung: Ludger Orlok.
Eine Produktion von Darko Radosavljev, koproduziert durch das tanzhaus nrw, gefördert durch den Fonds Darstellende Künste mit Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Kunststiftung NRW und das NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste.