Uraufführung
Sophie Yukiko & ZOE , BODEN
Silvia Federici beschreibt, dass es vor der Ära der Hexenverfolgung in weiten Teilen Europas ein anderes Verständnis von Land, Gemeinschaft, Ahnenlinien, Besitz und Boden gab. Gemeinschaftliche Strukturen und geteiltes Land prägten das soziale Gefüge. Boden wurde nicht als reine private Ressource betrachtet, sondern als kommunale Verantwortung und geteiltes Gut einer Gemeinschaft. Die europäische Hexenverfolgung kann als ein Startschuss für eine Ära der Gewalt, Expansion und Verdrängung interpretiert werden.
BODEN arbeitet diese geschichtlichen Verkettungen auf und thematisiert die Konstruktion einer deutschen Nation, den damit einhergehenden Nationalstolz sowie die Erfindung einer abgegrenzten, nicht-deutschen, nicht-weißen Einheit, der das Recht auf eine Existenz auf deutschem Boden abgesprochen wird. Aus einer Schwarzen, deutschen Perspektive, begegnen die Künstlerinnen Sophie Yukiko und ZOE diesen Themen indem sie sich durch Voguing – einer Tanzform der queeren Ballroom Subkultur – dem Archetypen der Hexe annehmen.
Sophie Yukiko ist eine deutsch-amerikanische Künstlerin im Bereich Film und Theater. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit dem Konzept des Rituals auseinander, das sie über Tanz und Text verhandelt. Während ihrer professionellen Karriere als kommerzielle Tänzerin, wurde sie Teil der Ballroom-Szene und widmete sich fortan Kontexten politischer Kunst.
ZOE ist eine interdisziplinäre Performance-Künstlerin und Kuratorin aus Düsseldorf. In ihren Arbeiten reflektiert sie über Rehabilitation, Transformation und die (Rück-) Aneignung von Körper und Raum sowie das Verhältnis von Macht und Marginalisierung. Ihre Kunst ist für sie eine Sprache des Widerstands, die Narrative hinterfragt, Leerräume füllt und Erzählungen erweitert, um die Perspektive, Sichtbarkeit und Souveränität strukturell diskriminierter Lebensrealitäten und Communities in den Fokus zu stellen. ZOE gehört zur ersten Ballroom-Generation in Deutschland und gilt als eine der Leitfiguren für die Kultur im deutschsprachigen Raum.
In Deutsch und Englisch. Mit Untertiteln in der jeweils anderen Sprache.
Dauer: 60 Min.
| Datum | Rahmenprogramm |
|---|---|
| Fr 06.11. 18:00 | Offene Probe |
| So 13.12. im Anschluss | Talk: Panel mit Miriam Owusu-Tutu |
Miriam Owusu-Tutu
Miriam Owusu-Tutu (sie/ihr) ist Dramaturgieassistentin am Düsseldorfer Schauspielhaus und Studentin der Medien- und Kulturwissenschaften mit Fokus auf auditive und visuelle Künste. Als Gründungsmitglied der Kollektive Schwarzes Haus und Shapes&Shades kooperiert sie mit dem Schauspielhaus Düsseldorf und dem tanzhaus NRW, um Räume für marginalisierte Personen zu schaffen, in denen Diskurse und Zukunftsvisionen entstehen können. Ihre Projekte thematisieren oft Feminität, Schwarz-sein, Queerness und Körperlichkeit. Künstlerisch ist sie vielfältig aktiv als Sängerin, Produzentin, Video- und Fotografin und ist Teil der Ballroom-Szene.
Künstlerische Leitung, Inszenierung, Choreografie, Text: Sophie Yukiko und ZOE (Marie-Zoe Buchholz); Konzept: Sophie Yukiko; Performance: Sophie Yukiko, ZOE (Marie-Zoe Buchholz); Kostüme: RENASTY; Musikalische Leitung: tba; Set: tba; Technische Leitung / Licht: tba; Ton: tba; Produktionsleitung: Wiebke Wesselmann (YMUSIC); PR, Social Media: tba; produziert von ZOE/HAUS MAWU und Sophie Yukiko.
Koproduziert durch das tanzhaus nrw und HAU Berlin, gefördert durch die Kunststiftung NRW und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.
ZOE/HAUS MAWU wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.