Emerging Bodies, Emerging Systems
Ob vor oder zwischen dem Bühnenprogramm – besucht während des Festivals TEMPS D‘IMAGES auch die Ausstellung im Foyer.
Die MODINA-Ausstellung präsentiert einige der im Rahmen des Projekts entstandenen Werke sowie verwandte Projekte von MIREVI und assoziierten Künstler*innen. Die Besucher*innen sind eingeladen, Tanz jenseits der traditionellen Bühne zu erleben – als Daten, Schnittstelle, Umgebung und verkörperte Interaktion. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung Videodokumentationen, die die kreativen Prozesse und Ergebnisse von zehn MODINA-Residenzen festhalten und Einblicke in die Entwicklung der Künstler während des gesamten Projekts bieten.
Anstatt einer Retrospektive konzentriert sich die Ausstellung auf aktuelle Fragen, die während des Projekts aufgeworfen wurden:
Wie verändert Technologie das choreografische Denken?
Wie können digitale Systeme zu Kooperationspartnern statt zu Werkzeugen werden?
Wie kann das Publikum Bewegung durch erweiterte, hybride oder interaktive Formate erleben?
Im Rahmen des MODINA (Movement, Digital Intelligence and Interactive Audience) Showcase.
Im Rahmen von MODINA findet das Symposium Dancing in the Digital Age: Bodies, Codes, and Affective Futures am 24.01. mit Keynote-Beiträgen, Podiumsdiskussionen und einer Lecture Performance statt.
Charlotte Triebus x MIREVI: kin_
kin_ ist ein exploratives Tanzstück, das sich als AR-Applikation für mobile Endgeräte sowohl mit menschlicher Körperlichkeit als auch mit körperbasierter Kunst durch und mit digitaler Technologie auseinandersetzt. Der englische Begriff »kin« steht für Familie, Sippe und Verwandtschaft – und suggeriert eine Nähe, die in dieser Arbeit beständig hinterfragt wird: Ein bis drei tanzende Avatare bewegen sich im augmentierten Raum des Theatergebäudes und sind durch die ausliegenden Benutzerscreens nah- und erfahrbar.
In Situationen der Intimität oder der Suche nach Verbindung und Menschlichkeit beziehen die Avatartänzer*innen die Betrachter*innen mitunter direkt ein – jede*r kann durch seine eigene Bewegung und Interaktion das Geschehen unmittelbar beeinflussen, denn die Avatare reagieren auf Nähe und Abstand. Wie nah kommen sie sich?
In der Version 2026 wird kin_ sowohl auf Tablet als auch auf der Apple Vision Brille präsentiert.
Gesamtkonzept und Projektleitung Charlotte Triebus, Soundtrack Brigitta Muntendorf, Digitales Kostüm & Makeup Inès Alpha, Produktion & Entwicklung: MIREVI.
Laurenz Ulrich x MIREVI, Charlotte Triebus: ONEIRONAUTICA II
Die immersive 3D-Installation nimmt die Besucher*innen mit auf einen digitalen Trip in sich geheimnisvoll auflösende Räume, deren Modell ein Theatersaal ist. Wie in einem luziden Traum bewegt man sich durch eine Punktwolke des Gebäudes, begegnet geisterhaften Figuren auf der Bühne, hört Stimmen vergangener Vorstellungen und wird sich der Flüchtigkeit von Sinneserfahrungen bewusst. Das für die Arbeit entwickelte Tanzstück befasst sich mit Logik und Kontrolle, mit verzerrten und verzerrenden luziden Träumen und toxisch-transformativen Abhängigkeiten. Die Hintergrunderzählung zeigt Auszüge aus dem Theaterstück Vom Licht von Anselm Neft.
Konzept & Entwicklung: Laurenz Ulrich x MIREVI, Choreografie: Charlotte Triebus.
Eine Produktion von MIREVI (HSD) im Rahmen des Forschungsprojekts „Theater der erweiterten Realitäten“. Projektpartner: Theater an der Ruhr und Akademie für Theater und Digitalität. Förderer: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen von NEUE WEGE in Zusammenarbeit mit dem NRW KULTURsekretariat.
Naoto Hieda & Jorge Guevara: Hydra Code Builder & Generator
Software-Demo
Mit diesem interaktiven Tool lassen sich über eine einfache grafische Benutzeroberfläche Hydra-Visualisierungen erstellen. Durch die Auswahl visueller Eingaben und Modifikatoren wird Code generiert, der kontinuierlich von einem neuronalen Netzwerk verarbeitet wird und so sich ständig verändernde visuelle Parameter erzeugt. Der resultierende Code kann in Echtzeit angewendet werden, um die von einer Live-Kamera aufgezeichneten Bewegungen zu transformieren – so lassen sich die Interpretationen, Verzerrungen und Neuerfindungen des Bildes durch Algorithmen erkunden.
Quellcode und künstlerische Leitung: Naoto Hieda & Jorge Guevara.
Entstanden im Rahmen der MODINA-Residenz für das Projekt SFDCANBAC++. MODINA wird vom Programm „Kreatives Europa” der Europäischen Union kofinanziert.
Norbert Pape: Turbulence
Die Arbeit dauert ca. 25 Minuten, läuft im Loop und entfaltet sich in der Überlagerung von Video und XR.
Wenn die Dinge weiterhin auseinanderfallen, und zwar richtig auseinanderfallen, dann frage ich mich, wie die Kinder der Kinder unserer Kinder wissen sollen, wie es sich angefühlt hat, als die Dinge noch nicht auseinander waren. Was würden Bilder für sie bedeuten, wenn sie noch nie an einem Strand gestanden und die Wellen an ihren Füßen gespürt hätten? Was nützen bewegte Bilder, wenn diese Bilder nur auf sich selbst Bezug zu nehmen scheinen?
Also machten wir uns daran, die Welt nicht nur als aufblitzende Augenblicke zu erfassen, sondern als in Code übersetzte Beziehungen, die vielleicht eines Tages in Echtzeit reaktiviert werden könnten.“
Wolken, Wellen, Wind, Nebel und Rauch und andere Formen von Turbulenzen spielen nicht nur in dieser Arbeit eine entscheidende Rolle, sondern auch grundsätzlich in immersiven Kunstformen wie Anime und Videospielen. Obwohl sie meist periphere Wahrnehmungsphänomene bleiben, sind sie unentbehrliche Vehikel, die uns den Weg in imaginäre Welten ermöglichen. Künstler*innen haben eine Vielzahl von Möglichkeiten entwickelt, um sie zu simulieren, stützen sich auf neueste Entwicklungen in Technologie und Wissenschaft, und treiben sie dabei auch voran. Obwohl sie oft auf wissenschaftlichen Modellen basieren, geht es ihnen allerdings nur um die Illusion, um das Gleichgewicht zwischen Präzision und Rechenzeit, um gerade so viel zu tun, dass in fremden Welten vertraute Empfindungen hervorgerufen werden.
Von: Norbert Pape, Ton und Musik: Franziska Aigner, Text: Ben Woodard, Stimmen (in der Reihenfolge ihres Auftretens): Norbert Pape, Göksu Kunak, Ben Woodard, Kyra Kaisla, Pêdra Costa, Spirituelle Begleitung: Pêdra Costa, Technische Entwicklung: Norbert Pape, Simon Speiser, SFX- und XR-Implementierung: Norbert Pape.
Mit Unterstützung von Beyond Gravity / Theater im Depot Dortmund und dem Moovy Tanzfilm Festival. Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Programms Neue Künste Ruhr.
MIREVI: Lichtblickspiegel
Partizipative KI-Installation
Der Lichtblickspiegel ist mehr als ein Spiegel: Er zeigt nicht die Gegenwart, wie sie ist, sondern interpretiert, wie sie sein könnte. Eine KI verwandelt das Live-Kamerabild in eine visuelle Reflexion – beeinflusst von einem einzigen Wort oder einer kurzen Botschaft, die die Reflexion in eine utopische Richtung lenken.
Der Lichtblickspiegel lädt zum Spielen ein: Besucher*innen wählen über Tasten inspirierende Begriffe und können über Regler Aspekte wie den Einfluss der KI oder das Alter der Person anpassen. Jede Auswahl verändert die Spiegelung – unmittelbar, sichtbar, poetisch. Das Bild bleibt lebendig: Es flackert, atmet, verwandelt sich, als würde der Spiegel weiterdenken, selbst wenn die Szene stillsteht. So entsteht ein Raum für spielerisches Zukunftsdenken.
Wenn selbst eine Maschine Hoffnungsbilder entwerfen kann – warum nicht auch wir?
Konzept: MIREVI; Entwicklung: Philipp Dilchert.
Uroš Krčadinac & Marko Milić x MIREVI: Gaitless
Partizipative KI-Installation
Gaitless ist ein interaktiver Tanzraum, der Anti-Überwachungs- und Anti-KI-Taktiken als choreografische Konzepte erforscht.
Die Idee entstand aus einer kuriosen Nachricht: Eine Gruppe von Bankräuber*innen soll KI-gestützte Überwachungskameras überlistet haben, indem sie rollten statt zu gehen – und so Bewegungserkennungssysteme umgingen, die darauf trainiert waren, den menschlichen Gang zu erkennen. Es war ein subversiver Akt der Flucht, aber auch, auf unerwartete Weise, eine Tanzperformance. Die Räuber*innen waren zufällige Tänzer*innen. Ihre improvisierten Bewegungen deckten die Schwächen der KI-Wahrnehmung auf.
Das Paradoxe an Gaitless ist, dass die Teilnehmer*innen, indem sie beweisen, dass sie in den Augen der KI keine Menschen sind, beweisen, dass sie tatsächlich Menschen sind – sonderbar und kreativ.
Ausgehend von historischen Vorläufern wie der Dazzle-Tarnung aus dem Ersten Weltkrieg, Adam Harveys "CV Dazzle" und dem vorherigen Projekt „Tactical Poetics” der Autoren – sowie den Ausweichtaktiken serbischer Anti-Osmanischer Gesetzloser und jugoslawischer antifaschistischer Partisanen – setzt Gaitless die Tradition einer Ästhetik fort, die aus Strategie und Taktik entstanden ist.
Konzept und Regie: Uroš Krčadinac & Marko Milić × MIREVI; Kreative Entwicklung und Unterstützung: Ivana Družetić-Vogel, Patrick Kruse, Ben Fischer; Multimedia-Softwareentwicklung: Ben Fischer; Musik: Kӣr.
Entstanden im Rahmen des MODINA-Projekts. MODINA wird vom Programm „Kreatives Europa” der Europäischen Union kofinanziert.