Tianzhuo Chen & Siko Setyanto

Ocean Cage
Großer Saal
18 €, erm. ab 9 €
Termine
Eine Person hält mit beiden Händen einen langen Stock vor sich senkrecht nach unten.
Eine Person hat ein bemaltes Gesicht und hat die Blätter einer großen Grünpflante an seinen Nacken gebunden, die abstehen wie Flügel oder Ohren.
Eine Person steht von einer Menschenmenge umrundet und einen Arm mit zur Faust geballter Hand nach oben gestreckt. Im Hintergrund ist auf einem Bild eine Person von hinten zu sehen.
Vor einem großen Wandteppich mit Wellenmuster sitzt eine Person auf dem Boden und bewegt sich.

Der Ruf „Baleo! Baleo!” erklingt an der Küste des indonesischen Dorfes Lamalera, sobald die Fischer*innen einen Wal gesichtet haben. Der seit Jahrhunderten bestehende Ausruf bedeutet für die Dorfbewohner*innen, dass die Ahn*innen sich mit dem Erscheinen des Wals zeigen und ihren Segen über das Dorf legen. Der Ozean hat sich geöffnet und bietet seine Gaben an. Es ist ein Ruf, der das Schicksal herausfordert und seit Jahrhunderten besteht.

Die Solo-Performance Ocean Cage ist in der komplexen und gefühlvollen Erzählung des indonesischen Dorfes Lamalera verankert und umfasst die Verstrickung zwischen dem Wal, den Fischer*innen und den Ahnen. In der Begegnung mit dem Pottwal manifestieren sich die Zusammenhänge eines komplexen Ökosystems und die Basis eines solidarischen Miteinanders. Die Zusammenkunft ist gleichzeitig spirituelle Quelle und Verbindung zu den Ahnen, verwoben wie die Glieder einer Kette, deren Anfang und Ende nicht mehr zu bestimmen sind. Die Besucher*innen sind eingeladen, in den zarten, stillen, geplagten ideologischen Graben einzutauchen, zu atmen und sich in den porösen und undichten Körpern aus Wasser, Säugetieren, Fischer*innen, Balladen, Brisen und Geistern aufzulösen, um über die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Arten nachzudenken und darüber, wie wir die mehr-als-menschliche Gerechtigkeit (neu) verstehen können. In der von Tianzhuo Chen geschaffenen immersiven Umgebung kombiniert Ocean Cage Elemente von Installation, Film und Tanz, um den Raum für die Performance zu schaffen, in der Siko Setyanto in wechselnden Charakteren zum zentralen Protagonisten wird. Gemeinsam mit den indonesischen Musikern Kadapat und Nova Ruth entsteht ein visueller, tänzerischer und musikalischer Strudel, in dem Tradition und Ökologie, Spiritualität und Technologie, Fortschrittsglaube und Interspezies-Symbiose durcheinandergewirbelt werden.


In seinen Arbeiten verbindet Tianzhuo Chen Tradition und Moderne, Hoch- und Subkultur und wechselt zwischen verschiedenen künstlerischen Genres – von bildender Kunst und Theater bis hin zu Live Art, Musik und Videokunst. Als Künstler produziert er regelmäßig Performances, Skulpturen und Videoarbeiten, organisiert mit seinem Label Asian Dope Boys Konzert- und Clubreihen und entwirft Mode. Im Internet ist er genauso aktiv und produktiv wie im realen Leben. Für seine Objekte, Performances und Videoarbeiten verwendet er eine farbenfrohe, groteske und manchmal fast kitschige Bildsprache, die von direkten Bezügen zu asiatischem Spiritualismus, Butoh-Tanz, Voguing und LGBTIQ+-Ikonografien geprägt ist. Er verwebt präzise geschriebene Geschichten, Gedanken und politische Statements mit ritualisierten Happenings der Selbstermächtigung, die sich auf die zeitgenössische Club- und Gegenkultur beziehen.

Tianzuho Chen schloss sein Studium der bildenden Künste am Saint Martins und Chelsea College in London ab. Im Jahr 2012 kehrte er nach China zurück, wo er seine Kunst in einer Reihe von Ausstellungen zeigte, die seinen Ruf begründeten. Mit seiner ersten Auslandsausstellung im Palais de Tokyo in Paris im Jahr 2015 wurde Tianzuho Chen in Europa bekannt. In den folgenden Jahren produzierte er Performances und Ausstellungen auf der ganzen Welt und zeigte mehrere seiner Werke in Deutschland, darunter in Berlin, Hamburg und München. Tianzhuo Chen wurde in Peking, China, geboren und lebt derzeit in Berlin.

http://tianzhuochen.com

Siko Setyanto ist Tänzer und Choreograf aus Jakarta, Indonesien. Seine künstlerische Praxis besteht hauptsächlich aus Tanz, er arbeitet aber auch multidisziplinär. Siko Setyanto begann seine Ausbildung im Alter von neun Jahren bei Wied Sendjayani an der Sanggar Maniratari in Solo, Indonesien. Die Vielfalt der indonesischen Kultur in der Siko Setyanto aufgewachsen ist und die Möglichkeit, als Kind am Jazz- und Balletttraining teilzunehmen, bildeten die Grundlage für sein tänzerisches und choreografisches Vokabular. Siko Setyanto gründete das DRKR Kolektif als Medium für den Austausch über zeitgenössischen Tanz, als Netzwerk von Tänzer*innen von Aceh bis Papua. Er ist Mitbegründer der Dansity Dance Company, die sich dem Aufbau einer professionellen zeitgenössischen Tanzkompanie in Jakarta widmet. Derzeit arbeitet er als Tänzer und Choreograf mit der Eun Me Ahn Company in Südkorea und regelmäßig mit Gabber Modus Operandi zusammen. Mit Tianzhuo Chen arbeitete er an den Produktionen TRANCE und PHYSIS und ist nun bei uns in Ocean Cage zu sehen.


Rahmenprogramm

Fr 22.11. anschl. Talk

 

Bei der Performance kommen Stroboskoplicht und Nebel zum Einsatz. Es gibt Passagen mit lauter Musik, Gehörschutz wird kostenfrei vom Abenddienst angeboten. Während der Performance wird Fisch gebraten. Es kommt zu starkem Fischgeruch. Im Saal gibt es keine klassischen Sitzmöglichkeiten. Das Publikum kann sich frei im Raum bewegen. Im Stück wird indonesische Sprache mit englischen Übertiteln genutzt. Das Stück ist auch ohne Sprache zugänglich.

Regie: Tianzhuo Chen; Choreografie, Performance: Siko Setyanto; Musik: Kadapat, Nova Ruth; Kostüme: Chenting Yu; Make-Up: Una Ryu; Textildesign: Diane Esnault; Lichtdesign: Raquel Rosildete; Sounddesign: Martin Ortiz; Technische Leitung: Francisca Marques; Technische Produktion: Paul Mede; Assistenz, Bühnenmanagement: Diane Esnault; Produktion, Management: partner in crime.

Produziert von partner in crime und Tianzhuo Chen. Koproduziert durch HAU Hebbel am Ufer, Arsenic Lausanne, Kyoto Experiment, Kampnagel Hamburg, tanzhaus NRW. Gefördert durch Hauptstadtkulturfonds. Unterstützt durch Goethe-Institut Jakarta, Theaterhaus Berlin Mitte. Gefördert durch die Kunststiftung NRW und das Bündnis Internationaler Produktionshäuser, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Zwei Tänzer strecken die Arme in die Luft mit Rücken zur Kamera. Bild in Schwarz Weiß mit rosa Schleier
Reihe

dances of transgression