Improvisation: Vom Alltag bis zur Abstraktion

Workshop mit Carlo Melis

Die Idee für diesen Workshop, ist aus der Beschäftigung mit den Theorien von Kandinsky („Punkt und Linie zu Fläche“) und der Auseinandersetzung mit dem Buch des italienische Philosoph Umberto Galimberti „Il Corpo“ entstanden und auch aus der Beobachtung heraus, die ich in meiner langen Karriere als Tanzpädagoge gemacht habe, nämlich dass das Verständnis für eine Tanzbewegung besser und schneller verstanden wird wenn es durch den Bezug zu alltäglichen Bewegungen erklärt wird.
 
Mit der Annahme, dass jede von ihrer Funktionalität und praktischen Absichtlichkeit befreite Geste in eine „poetische“ und/oder abstrakte Geste verwandelt werden kann, ist das Ziel dieses Workshop, alltägliche Gesten zu analysieren, um eine Bewegungsstrategie zu benutzen, die von voretablierten Codes befreit ist, und als Quelle neuen Inspiration dient.
 
Der Workshop, der auf Improvisationsstrategien basiert, ist für alle Level offen.

Porträt von Carlo Melis

Carlo Melis

Carlo Melis zählt zu einem der langjährigsten Dozent*innen am tanzhaus nrw. Seit 1989 unterrichtet er am Haus Modern und Jazz Dance und integriert Einflüsse des zeitgenössischen Tanzes. „Die Freiheit des zeitgenössischen Tanzes fordert die standardisierten Techniken des Modern und Jazz Dance heraus und wendet den Blick nach innen.” So geht es in Carlos Kursen weniger darum, eine Technik zu erlernen, als vielmehr eine Strategie wiederzuentdecken, die wir seit den ersten kindlichen Bewegungen in uns tragen: neugierig zu sein, sich und seinen Körper zu erleben und die eigenen Emotionen zu spüren. Die Teilnehmer*innen arbeiten bei den Bewegungen immer auch an deren Ursprung. „Wir beginnen erst dann zu tanzen, wenn Gefühle die Bewegungen antreiben.“
Carlo absolvierte seinen Eltern zuliebe eine Ausbildung zum Bautechniker, doch schon in seiner Jugend war er von den Künsten fasziniert und spielte beim Bewegungstheater und Living Theatre. Nach einem Workshop bei Bob Curtis, dem Wegbereiter des Afro Contemporary Dance, fand Carlo zum Tanz: „Eine solche Intensität hatte ich noch nie erlebt. Ab dem Zeitpunkt wusste ich, dass ich tanzen will.“ So begann er im Alter von 26 Jahren klassisches Ballett, Modern und Jazz Dance in seiner Heimat Sardinien zu studieren. Später schloss er zudem ein Studium in Theater- und Tanzpädagogik an verschiedenen Hochschulen in Italien ab. Während eines Tanzstipendiums an der Folkwang Universität der Künste lernte Carlo bei der großen Wuppertaler Choreografin Pina Bausch, die seine weitere tänzerische Arbeit prägte. Er wirkte bei Fernsehproduktionen mit, arbeitete mit zahlreichen Kompanien und lehrte u.a. an der Tanzakademie Arnheim.