Now & Next
Die Plattform für choreografischen Nachwuchs zeigt regelmäßig erste eigene Arbeiten, Projekte und Arbeitsstände von Künstler*innen aus Nordrhein-Westfalen. An einem Abend werden bis zu drei kurze Stücke präsentiert. Im Anschluss gibt es einen Austausch mit den Künstler*innen.
| Datum | Rahmenprogramm |
|---|---|
| Fr 30.01. |
Talk im Anschluss |
Brunella Sabatino: Chella ca guarda n'terra
Chella ca guarda n'terra hinterfragt und reformuliert den Begriff der Vulgarität und dessen Verständnis im Zusammenhang mit weiblich gelesenen Körpern. Macht, Ironie, Verletzlichkeit und Sinnlichkeit beleben den Tanz als Instrument der Entweihung und Wiederaneignung.
Das Projekt bezieht sich ästhetisch auf den neapolitanischen kulturellen Kontext, einschließlich Dialekt, Gesten, Haltungen und Verhaltensweisen, die im öffentlichen Diskurs häufig als „vulgär“ gelten, sobald sie von einer weiblich gelesenen Person ausgeführt werden. Diese Elemente werden untersucht und neuverhandelt, um Bewegungs- und Verhaltensmuster aufzubrechen, die stereotypisch sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum mit Weiblichkeit verbunden sind.
Chella ca guarda n'terra ist eine Reise durch Wut, Schmerz, Freude und Akzeptanz, in der Bewegung und Dialekt als Werkzeuge für Subversion und kollektive Befreiung erforscht werden.
Brunella Sabatino (sie/ihr) ist eine in Essen lebende Tanzkünstlerin und stammt ursprünglich aus Neapel, Italien. Sie hat einen B.A. in Zeitgenössischem Tanz von der Accademia Nazionale di Danza in Rom sowie einen M.A. in Tanzkomposition/Interpretation von der Folkwang Universität der Künste in Essen.
Ihre künstlerische Praxis versteht sie als Gelegenheit, das Ungesagte zu verhandeln, gesellschaftliche Normen herauszufordern und Kommunikation sowie Empathie zu fördern. Ihre aktuellen Projekte und Interessen basieren auf Kollaboration und Interdisziplinarität; sie untersucht und hinterfragt Konzepte von Normativität, Sprache und Geschlechterrollen. Gemeinsam mit Maria Savva ist sie Mitbegründerin des Performance-Kollektivs „Liquid Centre“.
Choreografie & Tanz: Brunella Sabatino; Sound: Victoria Stellpflug; Dramaturgische Mitarbeit: Maria Savva, Kostüm: Kora Hamm
Kora Hamm: GORGONA
GORGONA ist ein zeitgenössisches Tanzstück mit 3 Tänzerinnen. Inspiriert von Musikvideo-Ästhetik wird in GORGONA ein utopischer Raum geträumt, in dem Körper über eine sexuelle Identität jenseits patriarchalischer Strukturen verfügen. Der Tanz wird in dieser Auseinandersetzung ein kreatives Ventil für Selbstermächtigung und (Wieder- )Aneignung von Sexualität und Erotik – als Quelle von Freiheit und Stärke.
KORA HAMM ist Choreografin, Tänzerin/Performerin und Kostümbildnerin. Nach ihrem Kostümdesign Abschluss (Hamburg, 2021) absolvierte sie einen zweiten Bachelor in Tanz (Köln, 2025). Durch ihren interdisziplinären Ansatz entstehen ganzheitliche, bildstarke Inszenierungen, denen immer eine feministische Auseinandersetzung und Arbeitsweise zugrunde liegt. Während des Studiums realisierte sie bereits eigene Arbeiten wie NOCTUM, Kiltra oder Angels_Project . Für ihr Abschlussstück GORGONA entwickelte sie, unterstützt durch ihre tanztherapeutische Ausbildung (Fluentbody, 2023), eine eigene Tanzsprache, die zwischen Mythos, Erotik und Intensität changiert.
Konzept/Choreografie/Kostüm/Tanz: Kora Hamm; Co-Creation/Tanz: Stella Schirra und Luise Maya Menges; Dramaturgie: Charlotte Pfingsten; Musik: Nicolas Berge; Foto Credits: Jamin Fischbach
Yasmine Calasse & Bahar Gökten: Passed down to transcend (work in progress)
Wie bewegt sich HipHop? Und wer bewegt HipHop? In einer Kultur, die seit 53 Jahren existiert, sich weit verbreitet hat und in der Masse Ausdruck findet, sucht Yasmine den Dialog mit Bahar, um diesen Fragen nachzugehen. Ausgehend von ihren ersten Begegnungen und Inspirationen innerhalb ihrer HipHop Erfahrungen setzt sich ihre Recherche mit persönlichen, traditionellen und regionalen Perspektiven auseinander. Mit einem besonderen Fokus auf die Frauen* der Szene würdigen sie die einflussreichen Wegbereiter*innen, die diese Kultur von Generation zu Generation weitertragen und ihre Weiterentwicklung ermöglichen.
Bahar und Yasmine erforschen das Thema auf körperlicher Ebene, indem sie mit der Idee von Übergängen innerhalb von Grooves spielen – wie ein Groove organisch und nahtlos in den nächsten übergeht und was es braucht, damit dieser Übergang entsteht und Form annimmt. Sie verkörpern Konzepte von Wissen, Kultur, Musik und Tanz, die in der HipHop-Kultur weitergegeben, weitergetragen und gelebt werden.
Yasmine Calasse ist eine zeitgenössische Tänzerin und HipHop-Tänzerin aus Südafrika. Sie wurde am Dance Factory Johannesburg sowie am Peridance Center in New York City ausgebildet. Die Streetdance-Szene prägt ihr Schaffen stark und spiegelt sich in der politischen und sozialen Bewusstheit ihrer Arbeiten wider. Als Choreografin arbeitete sie unter anderem mit Künstlern wie Willie Stark zusammen und setzte Werke renommierter Choreograf*innen um, darunter Stephanie Thiersch, Ching Ching Wong, Ihsan Rustem, Jennifer Archibald, Elisabetta Minutoli, Rayboom und Jasmin Halper. Ihre Arbeit „Confinement“ wurde in Kapstadt gezeigt (Western Province Building für ICA 2020). Yasmine Calasse ist Co-Produzentin von AFIA und Gründerin der Relgnite Sessions.
Bahar Gökten ist eine vielseitige Tanzkünstlerin mit über 25 Jahren globaler Aktivität in der Hip Hop Kultur. Ihr Stil ist geprägt von einem genreübergreifenden Flow und der Kraft der Improvisation. Ob als Tänzerin, Choreografin, Organisatorin, Kuratorin, Pädagogin oder Mentorin – die Erforschung experimenteller Konzepte, die Stärkung von Gemeinschaften und der generationsübergreifende Austausch sind wesentliche Bestandteile ihrer prozessorientierten Philosophie. Bahar war Stipendiatin der Sprungbrett<>Tanzrecherche NRW und der Beat Riders New York. Ihre Choreografien und interdisziplinären Tanzformate waren im Ballett am Rhein, im Haus der Berliner Festspiele, im MAKK und im Staatstheater Stuttgart zu erleben. Sie war Artist in Residence am Rautenstrauch-Joest- Museum, im Stadt:Kollektiv am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Cité internationale des Arts Paris und Factory Artist am tanzhaus nrw mit ihrem Kollektiv nutrospektif. Bahars aktuellste Arbeiten waren 2025 u.a. am Schauspiel Köln und dem Schmuckmuseum Pforzheim zu sehen.
Konzept: Yasmine Calasse
Choreografie, Performance: Yasmine Calasse, Bahar Gökten
Musik: Fernando Damon