Uraufführung

Marikiscrycrycry , Hang Time

Großer Saal

18 €, erm. ab 9 €

Termine

Mehrere Personen posieren in einem industriell wirkenden Raum mit rauen Wänden und großen Fenstern. Sie tragen moderne, überwiegend helle und dunkle Kleidung. Die Körper sind in ausdrucksstarken, teils akrobatischen Posen verschränkt, einige lehnen sich weit zurück oder stützen sich aufeinander ab. Auf dem Boden und auf einem massiven Holztisch stehen zahlreiche Kerzen, die jedoch nicht brennen. Das Licht ist gedämpft und betont die dramatische Stimmung der Szene.
Mehrere Personen posieren in einem industriell wirkenden Raum mit rauen Wänden und großen Fenstern. Sie tragen moderne, überwiegend helle und dunkle Kleidung. Die Körper sind in ausdrucksstarken, teils akrobatischen Posen verschränkt, einige lehnen sich weit zurück oder stützen sich aufeinander ab.
Zwei Tänzer führen eine zeitgenössische Choreografie auf; einer ist mit nacktem Oberkörper und lehnt sich nach hinten, während der andere ihn stützt – beide vor dem Hintergrund einer industriellen Backsteinmauer.

Hang Time ist eine choreografische Meditation über das Abhängen und das Hängen: in der Luft, am Leben, am seidenen Faden. Braids hängen tief in den Nacken. Körper hängen in der Zeit fest. Leben hängen voneinander ab. Zwischen Soca und Bouyon, Séance, Ritual und Gathering entsteht eine aufgeladene Welt, in der Tanz, Musik und Heimsuchung aufeinandertreffen.
Ausgehend von Schwarzen und karibischen Erfahrungsgeschichten untersucht Marikiscrycrycry Trauer, mentale Gesundheit und die Bruchstellen männlicher Gemeinschaften. Cornrows und Braids erscheinen dabei als Schutz, Codierung und Spur – als Linien, die Orientierung geben, verbinden oder sich plötzlich in ein Seil verwandeln können.
Hang Time bewegt sich in der Spannung zwischen Fürsorge und Gefahr, Überleben und Kontrollverlust. Die Performer*innen tragen einander, verlieren einander, halten durch.

Aus einer zweijährigen künstlerischen Auseinandersetzung hervorgegangen, untersucht Hang Time, was mit einer Gemeinschaft geschieht, wenn sie von einem außergewöhnlichen Verlust getroffen wird. Acht Performer*innen bewegen sich durch Zustände von Erschöpfung, Zerfall, Beschwörung und Nachhallen. Zeitgenössische und karibische Tanzpraktiken verbinden sich mit einer großen, athletischen und maximalistischen Bewegungssprache. Zwischen Sprüngen, Social Dances, virtuosen Momenten und körperlicher Erschöpfung tragen und stützen die Körper einander.
Dabei ist Hang Time voller Gegensätze: dunkel und verspielt, intensiv und voller Freude, virtuos und erschöpft. Ein spiritueller Soundscape mit karibischen Instrumenten wie Calypso, Steel Pans und Tabla Drums trifft auf persönliche Pop-Tracks, die Erinnerungen wachrufen. Stilisierte Bilder spielen mit Schwerkraft und mit dem Moment des Schwebens. Das Hängen wird zum sozialen, historischen, choreografischen und metaphysischen Zustand.

Der Titel Hang Time versammelt unterschiedliche Bedeutungen: abhängen, in der Luft hängen, durchhalten, am seidenen Faden hängen. Zugleich verweist er auf die Diaspora und darauf, wie sich karibische Identität in ein größeres Schwarzes kulturelles Erbe einschreibt.

Im Zentrum steht die Frage, was eine Gemeinschaft in Momenten von Verletzlichkeit und Verlust zusammenhält – und was in der Luft bleibt, nachdem jemand verschwunden ist.

 

„Hang Time ist schön, energiegeladen und virtuos und steckt voller echter Freude. Gleichzeitig existiert dieses Vergnügen unmittelbar neben den emotionalen und psychologischen Dimensionen von Trauer. Mich interessiert, wie Tanz solche Erfahrungen abstrahieren kann, ohne sie dadurch weniger real zu machen: Trauer kann zu Rhythmus werden, zu Erschöpfung, Virtuosität, Dekoration, Wiederholung, zu einem fallenden Körper, zu einem anderen Körper, der ihn trägt. Für mich ist Bewegung wahrscheinlich die geeignetste Form, um die ganze Komplexität dessen, womit sich Hang Time auseinandersetzt, zusammenzuführen.

Ich möchte, dass sich das Publikum in diese Gruppe von Menschen verliebt und Anteil daran nimmt, wie sie gemeinsam durch etwas hindurchgehen. In der Arbeit steckt ein starkes Gefühl von Gemeinschaft, zugleich aber auch die Erfahrung, dass Trauer die Beziehungen zwischen den Einzelnen verändert und unseren Blick auf jeden Menschen verändert. Die Bewegung ist groß, athletisch, dekorativ und maximalistisch. Es gibt Sprünge, Ballett, Social Dances und Momente gesteigerter Virtuosität, aber auch Erschöpfung, Zusammenbruch und Körper, die einander Halt geben müssen, während sie sich durch eine anspruchsvolle und komplexe Bewegungssprache bewegen.“

(Malik Nashad Sharpe)

 

Malik Nashad Sharpe arbeitet international als Choreograf, Movement Director und Creative Strategist zwischen Kunst, Fashion und Musik. Unter seinem Alias Marikiscrycrycry entwickelt er choreografische Welten zwischen Horror, Fantasy und sozialer Realität, in denen Intensität, Kontrollverlust und emotionale Extreme aufeinandertreffen. Seine hybride Bewegungssprache verbindet soziale und kommerzielle Tanzformen mit zeitgenössischer Choreografie und treibt die Körper bis an ihre Grenzen.

Mit DARK, HAPPY, to the CORE begeisterte Malik Nashad Sharpe bereits 2024 das Düsseldorfer Publikum. Erst im Mai 2026 war er mit dem Begegnungsformat Winin’ & Liming am tanzhaus nrw – einem von ihm kuratierten Gathering mit lokalen Künstler*innen, Aktivist*innen und Community-Akteur*innen zwischen Tanz, Austausch und Care. Nun kehrt er mit Hang Time zurück: eine neue Arbeit voller körperlicher Wucht, Schönheit und Freude – und zugleich eine intensive Auseinandersetzung mit Verlust, Gemeinschaft und der Frage, wie wir einander durch Trauer tragen.

Dauer: 60Min

Rahmenprogramm
Datum Rahmenprogramm

Sa 17.10. im Anschluss      

Talk: Panel. Eine moderierte Diskussion mit den Künstler*innen über ihre Arbeit, zentrale Themen der Aufführung und ihre Fragen. Moderatorin: Balindile ka Ncobo.

 

Content Awareness: Das Tanzstück behandelt belastende Themen wie Gewalt und Suizid und enthält Kraftausdrücke. Außerdem kommen Stroboskoplicht, Dunst/Nebel und laute Musik zum Einsatz.

Choreografie: Malik Nashad Sharpe; Tänzer*innen: Alex Moore, Connor Jay, Corlee Haverty, Justin de Luna, Kezi Moustakim, Malik Nashad Sharpe, Robin Dobler; Musikalische Leitung: Tabitha Thorlu-Bangura; Komposition: Harry MacGibbon; Rehearsal Direction: Blue Makwana; Assistant Rehearsal Director: Ray Roa Alonso; Lichtdesign: Barnaby Booth; Produktionsleitung: Barnaby Booth und Simon Froud; Dramaturgie: Jay Miller; Kostümdesign: Erik Annerborn; Kostümassistenz: Gabriella Danerlöv; Casting: Ethan Samuel Jacobs; Produzentin: Cat Harrison; Produktionsunterstützung: Polly Cuthbert; Photography & Trailer: Ralf Hersborg

Hang Time ist eine Koproduktion von tanzhaus nrw (Düsseldorf), The Place (London), Dansehallerne (Kopenhagen) und MAYk (Bristol) und wird unterstützt von Arts Council England, Yale University’s Remapping Dance Residency, East London Dance, Kunststiftung NRW und dem British Council.

Auf rosafarbenem Untergrund sind stickerartig verschiedene Fotos mehrerer tanzender Personen in schwarz-weiß angeordnet.

Reihe

Tanzt euch zusammen!

Choreografien der Begegnung