Factory Artists

Love Story  

Das von Intendantin Bettina Masuch entwickelte Factory Artist Konzept hat sich über Jahre hinweg als große Chance für internationale und regionale Künstler*innen entwickelt und war stets Kernstück und Herzensangelegenheit des tanzhaus nrw. Zwischen 2014 und 2022 wurden jeweils drei Choreograf*innen mit einzigartigen Handschriften eingeladen, um für jeweils zwei Jahre in eine kontinuierliche Arbeitsbeziehung mit dem tanzhaus nrw zu treten. Das Haus wurde zur festen Anlaufstelle und Ort eines intensiven Austauschs, der nachhaltiges Arbeiten und Produzieren sowie die persönliche künstlerische Entwicklung der Factory Artists förderte. Eine solche Verbindung ermöglicht es, in den in der Regel eng getakteten Produktionsstrukturen mit einem steten Partner mehr Luft zum Denken, Ausprobieren und Experimentieren zu erhalten und eine lokale Anbindung zu festigen. Durch die Idee der Factory Artists setzt das tanzhaus nrw auch ein Statement hinsichtlich der Arbeitsbedingungen zeitgenössischer Choreograf*innen der freien Szene, die durch nomadisches Arbeiten, projektbasierte Förderung und Produktionsdruck geprägt sind.

Factory Artists 2020 - 2022  

Reut Shemesh, nutrospektif sowie Alfredo Zinola sind die Factory Artists 2020 – 2022! Allesamt sind Künstler*innen aus Nordrhein-Westfalen. „Ihre Arbeiten sind originell, manchmal radikal in Form und Inhalt und haben uns begeistert, kurz: Sie stehen exemplarisch für die große Kreativität der hiesigen Tanzschaffenden“, so Bettina Masuch, Intendantin des tanzhaus nrw. „Auch das: Die Auswahl ist ein Bekenntnis des tanzhaus nrw zu Nordrhein-Westfalen.“Darüber hinaus spiegelt die 3. Generation der Factory Artists die drei profilbildenden Bereiche des tanzhaus nrw wieder: Bühne, Akademie und Junges Tanzhaus.

Reut Shemesh  

Porträt Reut Shemesh

Reut Shemesh lebt und arbeitet als Choreografin und Performerin in Köln. Ihre Ausbildung absolvierte sie bei ArtEZ in Arnheim und schloss ein Postgraduiertenstudium an der KHM in Köln an. In ihren Arbeiten The Virgin’s Voice, ATARA, WITNESS, COBRA BLONDE und LEVIAH setzt sie sich mit Querverbindungen zwischen sichtbarer Selbstdarstellung von Weiblichkeit und imaginierten Selbst- und Fremdzuschreibungen auseinander. Mit einer Vorstellung von LEVIAH fing die intensive Zusammenarbeit zwischen Reut Shemesh und dem tanzhaus nrw an, die 2020 in der Einladung mündete, Factory Artist zu werden. Das Stück, welches die physischen sowie emotionalen Auswirkungen des Militärdiensts in Israel auf weibliche Körper untersucht, wird nun erneut im Rahmen des Factory Finales im tanzhaus nrw aufgeführt.

Reut Shemesh, von der Zeitschrift „tanz“ als eine der Hoffnungsträgerinnen 2019 hervorgehoben, war mit ihrer Arbeit ATARA, koproduziert durch das tanzhaus nrw, etwa zur biennalen „Tanzplattform Deutschland“ im März 2020 eingeladen. Anlässlich der Einladung nach München entstand ein sehr lesenswertes Porträt unter dem Titel „Frauen in Uniform“ der Journalistin Melanie Suchy /„tanz“ über die künstlerische Arbeit von Reut Shemesh.

Reut Shemesh zeigt LEVIAH im Rahmen des Factory Finales am 26.03.2022.

Pressestimmen zu COBRA BLONDE, der Zusammenarbeit zwischen Reut Shemesh und der Tanzgarde Düsseldorf im April 2021: Kultur.West (Autor: Honke Rambow), TANZweb.org (Autor: Rico Stehfest)

www.reutshemesh.com

Alfredo Zinola  

Porträt Alfredo Zinola_2

Mit wechselnden und unterschiedlichsten Künstler*innen entwirft Alfredo Zinola Tanzperformances für ein junges Publikum. Dabei sind die Zuschauer*innen bereits im Entstehungsprozess gefragt, erste Skizzen und Proben zu begleiten. In der engen Zusammenarbeit lässt Alfredo Zinola seine künstlerische Forschung in überraschende wie berührende Bild- und Materialwelten münden, wie etwa in PARTY, das Erwachsene auf die Reservebank einlädt und die Kinder ermuntert zu tanzen. Oder PELLE, koproduziert durch das tanzhaus nrw, ein Stück, das er der Haut, ihrer Intimität und Verletzbarkeit widmet. Auch in 200 ways entsteht eine intensive Verbindung zwischen Alfredo Zinola und seinem Publikum. In der spielerischen Performance kann schon die kleinste Bewegung eines Fingers viel erzählen. Auf diese Weise entsteht eine neue Bewegungsvirtuosität: Anstelle von Tricks und Sprüngen dienen einfache, alltägliche Gesten dazu, eine Begegnung zwischen dem Performer und den Zuschauer*innen zu erzeugen. Das Stück ist im Rahmen des diesjährigen Factory Finales zu sehen.

Alfredo Zinola wuchs mit großer Nähe zum Theater auf und fand durch den italienischen Choreografen Raffaella Giordano zum Tanz. Er studierte Tanz an der Folkwang Universität der Künste, graduierte in interkultureller Kommunikation und schloss den Lehrgang „Kuratieren in den Szenischen Künsten“ der Uni Salzburg im Jahr 2020 ab. Bis 2021 erhielt er eine Basis-Förderung der Stadt München.

Alfredo Zinola zeigt 200 ways im Rahmen des Factory Finales am 02.04. + 03.04.2022

https://alfredozinola.com

nutrospektif  

Gruppenbild nutrospektif

nutrospektif sind Bahar Gökten, Daniela Mba, Daniela Rodriguez Romero, Friederike Frost und Yeliz Pazar. Das 2012 im tanzhaus nrw gegründete Kollektiv widmet sich der Erforschung von Bewegungsprinzipien sowie der kulturellen Praxis urbaner Tanzkulturen, darunter HipHop, Breaking, Popping, Locking oder Waacking, und transferiert diese in einen zeitgenössischen, performativen und theatralen Kontext.

Der Anspruch der Tanzkünstlerinnen ist es, den urbanen Tanz künstlerisch und aus unterschiedlichsten Perspektiven sichtbarer und erfahrbarer zu machen. 2021 entstanden Bühnenstücke im Rahmen von STEP BY STEP, der Kooperation der Factory Artist mit dem Ballett am Rhein, Improvisationsformate wie moment(urb)an und IM FLAME – Flamenco trifft urbanen Tanz, Urbane Residenzen sowie zuletzt das Festival MOVING CONCRETE for Urban Dance Art im September. In diesem Jahr feiert das Kollektiv zum Factory Finale sein zehnjähriges Bestehen mit NUTRO 10 – eine nutrospektive, die ein reflexives und bewegtes Portrait, inspiriert von der Geschichte des Kollektivs, für das Publikum bereithält.

Der interdisziplinäre Austausch spiegelt sich in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Kultur- und Bildungsinstitutionen wie der Deutschen Oper am Rhein, dem Museum für angewandte Kunst Köln, der Oper und dem Schauspiel Köln, dem Institut für Tanz und Bewegungskultur der Deutschen Sporthochschule Köln oder Pottporus e.V. sowie in wiederkehrenden Kooperation mit dem MichaelDouglas Kollektiv und ZAIK wider.

nutrospektiv zeigen NUTRO 10 – eine nutrospektive im Rahmen des Factory Finales am 13.03.2022.

https://nutrospektif.blogspot.com

Factory Artists 2017 – 2019  

Claire Cunningham, Ligia Lewis und Choy Ka Fai sind Künstler*innen, die Themen wie körperliche Differenz, Körper und Technologie sowie die Politik von Minderheiten in den Mittelpunkt rücken. Nach der ersten Generation der Factory Artists am tanzhaus nrw – das waren Jan Martens, Sebastian Matthias und Alexandra Waierstall – begleitete das Haus eine nächste Generation der Factory Artists bis Ende 2019. Claire Cunningham, Ligia Lewis und Choy Ka Fai stehen für das, wofür sich das tanzhaus nrw in seiner künstlerischen Mehrsprachigkeit stark macht: etwa für mehr Diversität auf und hinter der Bühne sowie den Anspruch, dass sich die Sparte Tanz als Ort politischer Prozesse mitten in der Gesellschaft verortet sieht.

Claire Cunningham  

Frau in einem Kostüm des Rock'n'Roll der 1950er Jahre liegt auf dem Boden und singt in ein Mirko.

Claire Cunningham ist eine multidisziplinäre Künstlerin und Performerin mit derzeitigem Lebensmittelpunkt in Glasgow, Schottland. Ihre Arbeit ist von der Auseinandersetzung mit ihrer Körperlichkeit und ihren Krücken geprägt, mit deren Gebrauch und Erweiterung des ursprünglichen Zwecks sie sich ihren eigenen Aktionsradius schafft. Während sie als klassisch geltende Bewegungstechniken ablehnt, die zumeist ausschließlich für nicht-behinderte Körper entworfen wurden, genauso wie Versuche, sich nach Stilen oder Körpern zu richten, die nicht ihre eigenen sind, entwickelt Claire Cunningham mit ihren Krücken eine besondere Bewegungstechnik. Dabei versteht sie ihre Kunst, die dezidiert ihrer Perspektive als Künstlerin mit Behinderung entstammt, immer auch als Aktivismus.

Mit der ortsangepassten Düsseldorfer Wiederaufnahme ihres Projekts Guide Gods 2018 verhandelte sie erneut die Sicht unterschiedlicher religiöser Lehren auf Behinderung. Im Herbst 2019 folgte ihre neue Arbeit Thank you very much, in der sie gemeinsam mit drei weiteren Performer*innen den Blick auf Momente lenkt, in denen Menschen in die Haut anderer schlüpfen und Bewegungen ihren Kontext überspringen. Für die Weiterentwicklung des tanzhaus nrw als einer Institution, die sich als inklusiv versteht, gab Claire Cunningham maßgebliche Impulse. Neben der Publikationsreihe The Choreography of Care (2021-2022) untersucht Claire Cunningham im gleichnamigen Symposium während des Factory Finales, welche Bedeutung dem Konzept Care, die (Für-)Sorge für sich und andere, sowohl in ihrer Tätigkeit als auch in der Arbeit von geschätzten Kolleg*innen und Künstler*innen zukommt.

Im Rahmen des Factory Finales findet das Symposium The Choreography of Care am 22.03. + 23.03.2022 von und mit Claire Cunningham statt.

HIER ein Porträt über Claire Cunningham in der Rheinischen Post, 28.03.2018 (Autor: Klas Libuda).

HIER ein Artikel zur
Gelebten Inklusion im tanzhaus nrw“ der Westdeutschen Zeitung, 15.10.2019 (Autor: Christian Laki).


www.clairecunningham.co.uk

Ligia M. Lewis  

Als Choreografin und Performerin entwirft Ligia Lewis Arbeiten, die affektiv, empathisch und sensorisch die vielfältigen sozialen und historischen Einschreibungen in den Körper in ihrer ganzen Komplexität erfahrbar machen. Dabei fordert sie nicht nur Darstellungs- und Erzählformen heraus, sondern thematisiert stets auch das Theater als Kontext. Für ihre Choreografie Sorrow Swag erhielt sie den Prix Jardin d’Europe, minor matter wurde 2017 mit dem „Bessie Award“ und dem „Foundation for Contemporary Arts Grants to Artists Award“ ausgezeichnet sowie zur Tanzplattform in Deutschland 2018 nach Essen eingeladen.

Im Sommer 2021 fand in Zusammenarbeit zwischen Ligia Lewis und dem tanzhaus nrw das Festival VOLUME UP für ungehörte Stories und unbeachtetes Wissen statt. Mit Water Will (in Melody), koproduziert durch das tanzhaus nrw und HAU Hebbel am Ufer, schloss Ligia Lewis ihre Trilogie BLUE RED WHITE 2018 ab. Die fein gesponnene Choreographie, die erneut im Rahmen des Factory Finales gezeigt wird, nimmt das Melodrama zum Ausgangspunkt. Mit der Sprache und dem Begriff des „Willens“ ringend, schafft diese dystopische Fantasie einen Raum, in dem Verlangen, Imagination und das Gefühl eines nahenden Endes ausgehandelt werden.

Ligia Lewis zeigt Water Will (in Melody) im Rahmen des Factory Finales am 10.03.2022.

Dancing in the Dark lautet der Titel eines gehaltreichen Artikels von Catherine Damman/Artforum über Water Will (in Melody) anlässlich eines Gastspieles in den USA im September 2019.

www.ligialewis.com

Choy Ka Fai  

Choy Ka Fai

Choy Ka Fai gilt als Experte für „Connectivity“, der Suche nach Formen der Spiritualität durch und in digitalen Technologien. Mit Avataren, in die er sowohl historische als auch aktuelle Bewegungsstudien einspeist, und die künstliche Intelligenzen errechnen, entwirft er choreografische Verfahren und überträgt diese von lebenden als auch geisterhaften Körpern ins Hier und Jetzt.

2021-2022 zeigte er Arbeiten aus seiner Performance-Serie COSMIC WANDER, welche die schamanischen Tanzkulturen Asiens erforscht. Inspiriert von persönlichen Begegnungen mit Schaman*innen in Singapur, Taiwan, Vietnam, Sibirien, und Indonesien präsentierte der Choreograf und Medienkünstler im Januar 2021 die Online-Simulation Blue Sky Academy #331C sowie die Performances Kuan Yin Kali live aus dem Singapore Art Museum, THE THIRD PRINCE + YISHUN IS BURNING (August 2021) und Lotus Tiger Society (Januar 2022), inspiriert von den Geschichten der vietnamesischen Diaspora. Beim Factory Finale zeigt er Postcolonial Spirits, inspiriert vom multidimensionalen Erbe des indonesischen Tanz Dolalak, der mit Nachahmungen der niederländischen Kolonialsoldaten, die auf den Cosplay-Parties in den 30er Jahren feierten, verwoben ist.

Während seiner Zeit als Factory Artist feierte UnBearable Darkness 2018 seine Uraufführung im tanzhaus nrw. Mit Dance Clinic, koproduziert durch das tanzhaus nrw, machte er es sich hingegen zur Aufgabe, die Übel des zeitgenössischen Kreativitätsimpetus zu heilen.

Choy Ka Fai zeigt Postcolonial Spirits am 29.03. + 30.03.2022 im Rahmen des Factory Finales.

www.ka5.info

Factory Artists 2014-2017  

Alexandra Waierstall  

Porträt Alexandra Waierstall

Die Künstlerin und Choreografin Alexandra Waierstall gehörte von 2014 – 2016 zur ersten Generation Factory Artists. Sie wuchs in Zypern auf und lebt in Düsseldorf. Ihre Arbeiten wurden international in Theatern, Museen, Galerien und auf öffentlichen Plätzen gezeigt.

Am tanzhaus nrw zeigte sie zuletzt VENUS un/seen im Oktober 2020.

Alexandra Waierstall zeigt IN THE HEART OF THE HEART OF THE MOMENT im Rahmen des Factory Finales am 26.03.2022.

Jan Martens  

Porträt Jan Martens

Jan Martens, der 2014 – 2016 am tanzhaus nrw als Factory Artist zu Gast gewesen ist und somit zur ersten Generation der Factory Artists zählt, arbeitet seit dieser Zeit mit vielen verschiedenen Tänzer*innen und (Tanz-)Gemeinschaften zusammen: Düsseldorfer Laien, alternde Koryphäen, ein aufwachsendes Kind, treue Wegbegleiter*innen und jugendliche Feminist*innen. In Soli, Duetten und Gruppenstücken trafen sie aufeinander und forderten sich gegenseitig heraus.

Jan Martens zeigt any attempt will end in crushed bodies and shattered bones im Rahmen des Factory Finales am 04.03. + 05.03.2022.

Sebastian Matthias  

Porträt Sebastian Matthias

Sebastian Matthias war von 2014 – 2016 Factory Artist am tanzhaus nrw und zeigte Danserye, drei Stücke seiner groove space­Serie sowie Intergalactic Underwater Palace für Kinder und XOXO für ein jugendliches Publikum. Durch seine Praxis in partizipativer künstlerischer Forschung entwickelt er interdisziplinäre Projekte zwischen Tanz, Medien und Wissenschaft.

Sebastian Matthias zeigt URBAN CREATURES im Rahmen des Factory Finales am 02.04.2022.

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