Factory Artists

Love Story  

„Schluss mit dem nomadischen Produzieren,“ sagt Bettina Masuch, Intendantin des tanzhaus nrw und lädt bis zu drei Choreograf*innen mit einzigartigen Handschriften für jeweils zwei Jahre ein, in einen intensiven Austausch mit dem Haus, seinem Team und seinen Besucher*innen zu treten. Das Haus als feste Anlaufstelle sucht so eine kontinuierliche Arbeitsbeziehung zu Künstler*innen. Eine solche Verbindung ermöglicht es, in den in der Regel eng getakteten Produktionsstrukturen mit einem steten Partner mehr Luft zum Denken, Ausprobieren und Experimentieren zu erhalten und eine lokale Anbindung zu festigen. Durch die Idee der Factory Artists setzt das tanzhaus nrw auch ein Statement hinsichtlich der Arbeitsbedingungen zeitgenössischer Choreograf*innen der freien Szene, die durch nomadisches Arbeiten, projektbasierte Förderung und Produktionsdruck geprägt sind.

Factory Artists 2020 - 2022  

Reut Shemesh, nutrospektif sowie Alfredo Zinola sind die Factory Artists 2020 – 2022! Allesamt sind Künstler*innen aus Nordrhein-Westfalen. „Ihre Arbeiten sind originell, manchmal radikal in Form und Inhalt und haben uns begeistert, kurz: Sie stehen exemplarisch für die große Kreativität der hiesigen Tanzschaffenden“, so Bettina Masuch, Intendantin des tanzhaus nrw. „Auch das: Die Auswahl ist ein Bekenntnis des tanzhaus nrw zu Nordrhein-Westfalen.“Darüber hinaus spiegelt die 3. Generation der Factory Artists die drei profilbildenden Bereiche des tanzhaus nrw wieder: Bühne, Akademie und Junges Tanzhaus.

Reut Shemesh  

Porträt Reut Shemesh

Reut Shemesh lebt und arbeitet als Choreografin und Performerin in Köln. Ihre Ausbildung absolvierte sie bei ArtEZ in Arnheim und schloss ein Postgraduiertenstudium an der KHM in Köln an. Bereits in ihren Arbeiten „The Virgin’s Voice“, „LEVIAH“ und „ATARA“ setzte sie sich mit Querverbindungen zwischen sichtbarer Selbstdarstellung von Weiblichkeit und imaginierten Selbst- und Fremdzuschreibungen auseinander. In „WITNESS“ wird Reut Shemesh selbst Zeugin und Beobachterin, aber auch tänzerische und choreografische Dialogpartnerin für die Tanzmariechen der Tanzgarde der katholischen Karnevalsjugend Düsseldorf. Gemeinsam mit den jungen Frauen in Uniform entsteht aus Gardetanz und gefiederten Kostümen eine hellsichtige Zerlegung von Bewegungen und repräsentierten Frauen*bildern.
Reut Shemesh, von der Zeitschrift „tanz“ als eine der Hoffnungsträgerinnen 2019 hervorgehoben, war mit ihrer Arbeit „ATARA“, koproduziert durch das tanzhaus nrw, etwa zur biennalen „Tanzplattform Deutschland“ im März 2020 eingeladen. Anlässlich der Einladung nach München entstand ein sehr lesenswertes Porträt unter dem Titel „Frauen in Uniform“ der Journalistin Melanie Suchy/„tanz“ über die künstlerische Arbeit von Reut Shemesh.

Next Stop Düsseldorf: 26.09. 20:00 + 27.09. 15:00
Cobra Blond“ Uraufführung / in Kooperation mit den Tänzerinnen der Tanzgarde der Karnevalsfreunde der katholischen Jugend Düsseldorf


„Man könnte meinen, dank dieser blitzgescheiten Performance würde urplötzlich ein tieftrauriger Kern des Karnevals hervorgezaubert, von dem unsere Schulweisheit sich wenig hat träumen lassen. Und man darf gespannt darauf sein, wie die Choreografin Reut Shemesh das Format mit den jungen Tänzerinnen weiterentwickelt, ….“ Martin Krumbholz, „Süddeutsche Zeitung“, 24.06.2019

www.reutshemesh.com

Alfredo Zinola  

Porträt Alfredo Zinola_2

Mit wechselnden und unterschiedlichsten Künstler*innen entwirft Alfredo Zinola Tanzperformances für ein junges Publikum. Dabei sind die Zuschauer*innen bereits im Entstehungsprozess gefragt, erste Skizzen und Proben zu begleiten. In der engen Zusammenarbeit lässt Alfredo Zinola seine künstlerische Forschung in überraschende wie berührende Bild- und Materialwelten münden, wie etwa in „PARTY“, das Erwachsene auf die Reservebank einlädt und die Kinder ermuntert zu tanzen. Oder „PELLE“; koproduziert durch das tnazhaus nrw und ein Stück, das er der Haut, ihrer Intimität und Verletzbarkeit widmet. 
Alfredo Zinola wuchs mit großer Nähe zum Theater auf und fand durch den italienischen Choreografen Raffaella Giordano zum Tanz. Er studierte Tanz an der Folkwang Universität der Künste und graduierte in interkultureller Kommunikation und schloss den Lehrgang „Kuratieren in den Szenischen Künsten“ der der Uni Salzburg im Jahr 2020 ab. Bis 2021 erhält er eine Basis-Förderung der Stadt München.

Next Stop Düsseldorf: Herbst 2020
„Other world“ / Klassenzimmerstück an und in Kooperation mit der Christophorus Grundschule in Düsseldorf Wersten

https://alfredozinola.com

nutrospektif  

Gruppenbild nutrospektif

Nutrospektif sind Friederike Frost, Bahar Gökten, Daniela Mba, Yeliz Pazar und Daniela Rodriguez Romero. Das 2012 gegründete Kollektiv widmet sich der Erforschung von Bewegungsprinzipien sowie der kulturellen Praxis urbaner Tanzkulturen, darunter HipHop, Breaking, Popping, Locking oder Waacking, und transferiert diese in einen zeitgenössischen, performativen und theatralen Kontext.
Der Anspruch der Tanzkünstlerinnen ist es, den urbanen Tanz künstlerisch und aus unterschiedlichsten Perspektiven sichtbarer und erfahrbarer zu machen. So entstanden Bühnenstücke und Improvisationsformate wie zuletzt „moment(urb)an“. Weiterhin entwickelte das Kollektiv genreübergreifende Projekte mit anderen Künstler*innen und Präsenzen bei dem biennalen Festival „Tanz NRW“, der Internationalen Tanzmesse NRW, dem Tanz.Tausch Festival oder dem Schrittmacher Festival Generation 2.
Der interdisziplinäre Austausch spiegelt sich in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Kultur- und Bildungsinstitutionen wie dem Museum für angewandte Kunst Köln, der Oper und dem Schauspiel Köln, dem Institut für Tanz und Bewegungskultur der
Deutschen Sporthochschule Köln oder Pottporus e.V. sowie in wiederkehrenden Kooperation mit dem MichaelDouglas Kollektiv und ZAIK wider. Mit dem urbanen Tanztheaterfestival „STREET PERSPEKTIF – Raum für urbane Tanzkunst“ schufen nutrospektif 2017 eine Plattform für innovative Performances, Workshops und einen internationalen Austausch.

Factory Artists 2017 – 2019  

Claire Cunningham, Ligia Lewis und Choy Ka Fai sind Künstler*innen, die Themen wie körperliche Differenz, Körper und Technologie sowie die Politik von Minderheiten in den Mittelpunkt rücken. Nach der ersten Generation der Factory Artists am tanzhaus nrw – das waren Jan Martens, Sebastian Matthias und Alexandra Waierstall – begleitete das Haus eine nächste Generation der Factory Artists bis Ende 2019. Claire Cunningham, Ligia Lewis und Choy Ka Fai stehen für das, wofür sich das tanzhaus nrw in seiner künstlerischen Mehrsprachigkeit stark macht: etwa für mehr Diversität auf und hinter der Bühne sowie den Anspruch, dass sich die Sparte Tanz als Ort politischer Prozesse mitten in der Gesellschaft verortet sieht und Themen wie „Politiken von Minderheiten“, „körperliche Differenz“ und „Körper und Technologie“ in den Mittelpunkt rückt.  

Claire Cunningham  

Frau in einem Kostüm des Rock'n'Roll der 1950er Jahre liegt auf dem Boden und singt in ein Mirko.

Claire Cunningham ist eine multidisziplinäre Künstlerin und Performerin mit derzeitigem Lebensmittelpunkt in Glasgow, Schottland. Ihre Arbeit ist von der Auseinandersetzung mit ihrer Körperlichkeit und ihren Krücken geprägt, mit deren Gebrauch und Erweiterung des ursprünglichen Zwecks sie sich ihren eigenen Aktionsradius schafft. Während sie als klassisch geltende Bewegungstechniken ablehnt, die zumeist ausschließlich für nicht-behinderte Körper entworfen wurden, genauso wie Versuche, sich nach Stilen oder Körpern zu richten, die nicht ihre eigenen sind, entwickelt Claire Cunningham mit ihren Krücken eine besondere Bewegungstechnik. Dabei versteht sie ihre Kunst, die dezidiert ihrer Perspektive als Künstlerin mit Behinderung entstammt, immer auch als Aktivismus.
Mit der ortsangepassten Düsseldorfer Wiederaufnahme ihres Projekts „Guide Gods“ 2018 verhandelte sie erneut die Sicht unterschiedlicher religiöser Lehren auf Behinderung. Im Herbst 2019 folgte ihre neue Arbeit „Thank you very much“, in der sie gemeinsam mit drei weiteren Performer*innen den Blick auf Momente lenkt, in denen Menschen in die Haut anderer schlüpfen und Bewegungen ihren Kontext überspringen. Für die Weiterentwicklung des tanzhaus nrw als einer Institution, die sich als inklusiv versteht, gab Claire Cunningham maßgebliche Impulse.

Hier, was die Presse über die deutsche Erstaufführung von „Guide Gods“ von Claire Cunningham im November 2018 im tanzhaus nrw schreibt. Kultur.west (Autor: Honke Rambow), Rheinische Post (Autor: Christian Albustin), Westdeutsche Zeitung (Autorin: Julia Nimführ) 

HIER ein Porträt über Claire Cunningham der Rheinischen Post, 28.03.2018 (Autor: Klas Libuda).

HIER ein Artikel zur
Gelebten Inklusion im tanzhaus nrw“ der Westdeutsche Zeitung, 15.10.2019 (Autor: Christian Laki).


www.clairecunningham.co.uk

Ligia M. Lewis  

Als Choreografin und Performerin entwirft Ligia Lewis Arbeiten, die affektiv, empathisch und sensorisch die vielfältigen sozialen und historischen Einschreibungen in den Körper in ihrer ganzen Komplexität erfahrbar machen. Dabei fordert sie nicht nur Darstellungs- und Erzählformen heraus, sondern thematisiert stets auch das Theater als Kontext. Mit „Water Will (in Melody)“, koproduziert durch das tanzhaus nrw und HAU Hebbel am Ufer, schloss Ligia Lewis ihre Trilogie „BLUE RED WHITE“ 2018 ab. Für ihre Choreografie „Sorrow Swag“ erhielt sie den Prix Jardin d’Europe, „minor matter“ wurde 2017 mit dem „Bessie Award“ und dem „Foundation for Contemporary Arts Grants to Artists Award“ ausgezeichnet sowie zur Tanzplattform in Deutschland 2018 nach Essen eingeladen. Im Jahr 2020 wird Ligia Lewis in Kooperation mit dem tanzhaus nrw ein Symposium kuratieren.

Dancing in the Dark lautet der Titel eines gehaltreichen Artikels von Catherine Damman/Artforum über „Water Will (in Melody)“ anlässlich eines Gastspieles in den USA im September 2019.

www.ligialewis.com

Choy Ka Fai  

Choy Ka Fai gilt als Experte für „Connectivity“, der Suche nach Formen der Spiritualität durch und in digitalen Technologien. Mit Avataren, in die er sowohl historische als auch aktuelle Bewegungsstudien einspeist, und die künstliche Intelligenzen errechnen, entwirft er choreografische Verfahren und überträgt diese von lebenden als auch geisterhaften Körpern ins Hier und Jetzt, wie in „UnBearable Darkness“, das 2018 Uraufführung im tanzhaus nrw feierte. Darin trifft Transzendenz auf aufgeklärte Technologie und der Geist Hijikatas findet seine Verkörperung in einem animierten Avatar. Auch ließ er internationale Tanzgeschichte zwischen Design, Technologie, Performance und Fiktion neu aufleben und sammelt in seinem Multimedia-Archiv und Performancezyklus „SoftMachine“ Arbeiten von Künstler*innen aus Südostasien und arbeitet damit gegen exotisierende Darstellungen an. Mit „Dance Clinic“, koproduziert durch das tanzhaus nrw, machte er es sich hingegen zur Aufgabe, die Übel des zeitgenössischen Kreativitätsimpetus zu heilen.
Choy Ka Fai war u.a. auch ko-kuratierend für das Festival TEMPS D’Images tätig, eines der langjährigen Formate des tanzhaus nrw mit einem Fokus auf Digitalität und Tanz. Seine neue Produktion „Cosmic Wander“, mit der er sich der digitalen Übertragung und Rekonstruktion schamanistischer Praktiken und Trancezuständen widmet, feiert 2020 ihre Uraufführung.


HIER, was das Fachmagazin „tanz“ in seiner Juni-Ausgabe 2018 über Choy Ka Fai schreibt (Autor: Arnd Wesemann)

HIER, was die Westdeutsche Zeitung über „UnBearable Darkness“ anlässlich der Uraufführung im Juni 2018 sagt (Autor: Christian Laki).

HIER, was die Rheinische Post über Choy Ka Fai im Rahmen eines Showings im Januar 2018 sagt (Autor: Klas Libuda).

www.ka5.info

Kontakte

Anaïs Emilia Rödel
Dramaturgin

*19.06.1987 †15.05.2020