Factory Artists

Love Story  

Das tanzhaus nrw lädt bis zu drei Choreograf*innen mit einzigartigen Handschriften für zwei Jahre ein, in einen intensiven Austausch mit dem Haus, seinem Team und seinen Besucher*innen zu treten. Das Haus als feste Anlaufstelle sucht so eine kontinuierliche Arbeitsbeziehung zu Künstler*innen. Eine solche Verbindung ermöglicht es, in den in der Regel eng getakteten Produktionsstrukturen mit einem steten Partner mehr Luft zum Denken, Ausprobieren und Experimentieren zu erhalten und eine lokale Anbindung zu festigen. Durch die Idee der Factory Artists setzt das tanzhaus nrw auch ein Statement hinsichtlich der Arbeitsbedingungen zeitgenössischer Choreograf*innen, die durch nomadisches Arbeiten, projektbasierte Förderung und Produktionsdruck geprägt sind.

Factory Artists 2017 – 2019  

„Schluss mit dem nomadischen Produzieren!“ Intendantin Bettina Masuch

Claire Cunningham, Ligia Lewis und Choy Ka Fai sind Künstler*innen, die Themen wie körperliche Differenz, Körper und Technologie sowie die Politik von Minderheiten in den Mittelpunkt rücken. Nach der ersten Generation der Factory Artists am tanzhaus nrw – das waren Jan Martens, Sebastian Matthias und Alexandra Waierstall – begleitet das Haus eine nächste Generation der Factory Artists bis Ende 2019. Claire Cunningham, Ligia Lewis und Choy Ka Fai stehen für das, wofür sich das tanzhaus nrw in seiner künstlerischen Mehrsprachigkeit stark macht: etwa für mehr Diversität auf und hinter der Bühne sowie den Anspruch, dass sich die Sparte Tanz als Ort politischer Prozesse mitten in der Gesellschaft verortet sieht und Themen wie „Politiken von Minderheiten“, „körperliche Differenz“ und „Körper und Technologie“ in den Mittelpunkt rückt.  Gratulation auch an an Claire Cunningham und Ligia Lewis als „Hoffnungsträgerinnen mit den besten Aussichten“ (Jahrbuch „tanz“ 2018, führendes europäisches Fachmagazin für Ballett, Tanz und Performance).

Drei Menschen stehen in einem Studio: Choy Ka Fai, Claire Cunningham und Ligia Lewis (von links nach rechts)

Claire Cunningham  

Frau in einem Kostüm des Rock'n'Roll der 1950er Jahre liegt auf dem Boden und singt in ein Mirko.

Claire Cunningham ist eine multidisziplinäre Künstlerin und Performerin mit derzeitigem Lebensmittelpunkt in Glasgow, Schottland. Ihre Arbeit ist von der Auseinandersetzung mit ihrer Körperlichkeit und ihren Krücken geprägt, mit deren Gebrauch und Erweiterung des ursprünglichen Zwecks sie sich ihren eigenen Aktionsradius schafft. Während sie als klassisch geltende Bewegungstechniken ablehnt, die zumeist ausschließlich für nicht-behinderte Körper entworfen wurden, genauso wie Versuche, sich nach Stilen oder Körpern zu richten, die nicht ihre eigenen sind, entwickelt Claire Cunningham mit ihren Krücken eine besondere Bewegungstechnik. Dabei versteht sie ihre Kunst, die dezidiert ihrer Perspektive als Künstlerin mit Behinderung entstammt, immer auch als Aktivismus.
Mit der ortsangepassten Düsseldorfer Wiederaufnahme ihres Projekts „Guide Gods“ 2018 verhandelte sie erneut die Sicht unterschiedlicher religiöser Lehren auf Behinderung. Im Herbst 2019 folgte ihre neue Arbeit „Thank you very much“, in der sie gemeinsam mit drei weiteren Performer*innen den Blick auf Momente lenkt, in denen Menschen in die Haut anderer schlüpfen und Bewegungen ihren Kontext überspringen. Für die Weiterentwicklung des tanzhaus nrw als einer Institution, die sich als inklusiv versteht, gab Claire Cunningham maßgebliche Impulse.

Hier, was die Presse über die deutsche Erstaufführung von „Guide Gods“ von Claire Cunningham im November 2018 im tanzhaus nrw schreibt. Kultur.west (Autor: Honke Rambow), Rheinische Post (Autor: Christian Albustin), Westdeutsche Zeitung (Autorin: Julia Nimführ) 

HIER ein Porträt über Claire Cunningham der Rheinischen Post, 28.03.2018 (Autor: Klas Libuda).

HIER ein Artikel zur
Gelebten Inklusion im tanzhaus nrw“ der Westdeutsche Zeitung, 15.10.2019 (Autor: Christian Laki).


www.clairecunningham.co.uk

Ligia M. Lewis  

Als Choreografin und Performerin entwirft Ligia Lewis Arbeiten, die affektiv, empathisch und sensorisch die vielfältigen sozialen und historischen Einschreibungen in den Körper in ihrer ganzen Komplexität erfahrbar machen. Dabei fordert sie nicht nur Darstellungs- und Erzählformen heraus, sondern thematisiert stets auch das Theater als Kontext. Mit „Water Will (in Melody)“, koproduziert durch das tanzhaus nrw und HAU Hebbel am Ufer, schloss Ligia Lewis ihre Trilogie „BLUE RED WHITE“ 2018 ab. Für ihre Choreografie „Sorrow Swag“ erhielt sie den Prix Jardin d’Europe, „minor matter“ wurde 2017 mit dem „Bessie Award“ und dem „Foundation for Contemporary Arts Grants to Artists Award“ ausgezeichnet sowie zur Tanzplattform in Deutschland 2018 nach Essen eingeladen. Im Jahr 2020 wird Ligia Lewis in Kooperation mit dem tanzhaus nrw ein Symposium kuratieren.

Dancing in the Dark lautet der Titel eines gehaltreichen Artikels von Catherine Damman/Artforum über „Water Will (in Melody)“ anlässlich eines Gastspieles in den USA im September 2019.

www.ligialewis.com

Choy Ka Fai  

Choy Ka Fai gilt als Experte für „Connectivity“, der Suche nach Formen der Spiritualität durch und in digitalen Technologien. Mit Avataren, in die er sowohl historische als auch aktuelle Bewegungsstudien einspeist, und die künstliche Intelligenzen errechnen, entwirft er choreografische Verfahren und überträgt diese von lebenden als auch geisterhaften Körpern ins Hier und Jetzt, wie in „UnBearable Darkness“, das 2018 Uraufführung im tanzhaus nrw feierte. Darin trifft Transzendenz auf aufgeklärte Technologie und der Geist Hijikatas findet seine Verkörperung in einem animierten Avatar. Auch ließ er internationale Tanzgeschichte zwischen Design, Technologie, Performance und Fiktion neu aufleben und sammelt in seinem Multimedia-Archiv und Performancezyklus „SoftMachine“ Arbeiten von Künstler*innen aus Südostasien und arbeitet damit gegen exotisierende Darstellungen an. Mit „Dance Clinic“, koproduziert durch das tanzhaus nrw, machte er es sich hingegen zur Aufgabe, die Übel des zeitgenössischen Kreativitätsimpetus zu heilen.
Choy Ka Fai war u.a. auch ko-kuratierend für das Festival TEMPS D’Images tätig, eines der langjährigen Formate des tanzhaus nrw mit einem Fokus auf Digitalität und Tanz. Seine neue Produktion „Cosmic Wander“, mit der er sich der digitalen Übertragung und Rekonstruktion schamanistischer Praktiken und Trancezuständen widmet, feiert 2020 ihre Uraufführung.


Nächste Termine im tanzhaus nrw: „Technological flesh“ als Work in Progress 17. + 18.01.2020 im Rahmen des Festivals TEMPS D'IMAGES


HIER, was das Fachmagazin „tanz“ in seiner Juni-Ausgabe 2018 über Choy Ka Fai schreibt (Autor: Arnd Wesemann)

HIER, was die Westdeutsche Zeitung über „UnBearable Darkness“ anlässlich der Uraufführung im Juni 2018 sagt (Autor: Christian Laki).

HIER, was die Rheinische Post über Choy Ka Fai im Rahmen eines Showings im Januar 2018 sagt (Autor: Klas Libuda).

www.ka5.info

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