Residenzen im Realen II

Katja Heitmann

Sa 26.05. 15:00

Die in den Niederlanden ansässige Choreografin Katja Heitmann und ihr Team haben sechs Wochen lang in der Düsseldorfer Begegnungsstätte „zentrum plus“/DRK Friedrichstadt mit 14 Menschen zwischen 65 und 86 Jahren zusammengearbeitet. Entstanden ist eine Ode an die Schönheit des nicht-effizienten Körpers und ein Bewegungskunstwerk, in dem die Schönheit zum technischen Protest gegen unser Effizienzdenken wird. Es geht um die Schönheit in den zumeist unbeachteten Momenten des Alltags. Das vorläufige Ergebnis dieser intensiven Zusammenarbeit versteht sich als ein lebendiges Museum des Menschlichen, als Kollektion des Unmessbaren in Zeiten, in denen das Menschsein vor allem auf das Vermessen und Optimieren reduziert ist.
Katja Heitmann arbeitet an der Schnittstelle zwischen Theater, Tanz, Performance, Installation und bildender Kunst und erhielt 2016 den Preis des Dutch Dance Festivals für ihr herausragendes choreografisches Talent. In ihrem Projekt „RealReality“ begibt sich die Choreografin auf eine zweijährige Recherche nach dem Unmessbaren und begann ihre Suche im „zentrum plus“ in Düsseldorf. Der digitale Fingerabdruck, die Gesichtserkennung via Kamera in unseren Innenstädten, unser Online-Kaufverhalten bis zur Schrittzähler-App, kurz, unser Alltag ist voller Messinstrumentarien, die unser Leben sicherer und vor allem effizienter machen sollen. Wie aber erfassen wir Welt und unser Sein in Daten? Ist der Menschen überhaupt allein auf einen effizienten Apparat – bestehend aus Herzschlag, DNA und Hormonen – zu erfassen? Was gerät dabei aus dem Blick, was lässt sich so erst gar nicht einfangen und was liegt eigentlich jenseits des Messbaren und Nützlichen?

Ort: „zentrum plus“/DRK Friedrichstadt, Jahnstraße 47, 40215 Düsseldorf; Eintritt frei

Residenzen im Realen? Das tanzhaus nrw verlässt die eigenen vier Wände: Statt das Publikum in den Theatersaal und in Tanzstudios einzuladen, entern verschiedene Künstler Orte der Fürsorge in Düsseldorf. Findet die Arbeit sonst unter den Bedingungen der Tanzwelt in Studios hinter verschlossenen Türen statt, beschreiten sie jetzt neues Terrain, unterziehen künstlerische Praktiken und Reflexionsprozesse einem Reality-Check: Die Diakonie Flingern beherbergt Liz Rosenfeld und Rodrigo García Alves mit ihrer Recherche zu Hospiz-Konzepten. Das „zentrum plus“/DRK Friedrichstadt lädt Katja Heitmann ein, Körper-Algorithmen zu erforschen, und bei Fitness Unlimited trainiert das Kollektiv ZOO aktive Selbstsorge. Die Künstler*innen schlagen ihr temporäres Lager an Orten auf, die sich strukturell und thematisch dem Thema „Fürsorge“ widmen, feilen an ihren Konzepten und Projekten, erproben, wie sie sich unter veränderten Bedingungen in neuen Räumen und Umgebungen verändern und treten mit den Menschen vor Ort in Austausch.

PS: In der Saison 2017/18 setzen sich im Rahmen des Projekts Claiming Common Spaces Künstler*innen in Berlin, Düsseldorf, Dresden, Essen, Frankfurt und Hamburg mit dem gesellschaftlichen Wandel unserer lokalen wie globalen Stadtgesellschaften auseinander. Vom 21. – 23.06. findet in Berlin das gleichnamige Festival mit ausgewählten Positionen aus den sechs Städten und sieben Häusern des Bündnisses internationaler Produktionshäuser statt.

Choreografie, Konzept: Katja Heitmann; Musik, Konzept: Sander van der Schaaf; Bewegungscoach: Anna Zurkirchen, Celine Werkhoven; Video, Fotografie: Hanneke Wetzer; Dramaturgie: Ingrid de Rond; Performance: Silke Rehbein, Lutz Roos, Silvia Roos, Ute von Canstein, Eva Gollub, Gunda Krull, Marita Gotzen, Helga Kautz, Dagmar Dreyer, Gertrude Kirchner, Juergen Klein, Rosi Hofsess-Kerkhoff, Susanne Steinert, Inge Mueller.

Die Residenzen im Realen finden statt im Rahmen von Claiming Common Spaces, einer Veranstaltung des Bündnisses internationaler Produktionshäuser, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Claiming Common Spaces – Kunst und urbane Praxis ist ein Projekt des Bündnisses internationaler Produktionshäuser mit FFT Düsseldorf, HAU Hebbel am Ufer Berlin, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main, PACT Zollverein Essen und tanzhaus nrw Düsseldorf.

PDF tanzhaus nrw_Residenzen im Realen 2018
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