Rachid Ouramdane/L’A. (FR)

„Exposition universelle“ Dt. Erstaufführung

Der französische Choreograf Rachid Ouramdane untersucht die Diskrepanz zwischen Ideologie und Individuum, offizieller Geschichtsschreibung und persönlicher körperlicher Erfahrung. Ausgangspunkt seiner Recherche zu „Weltausstellung“, wie sich der Titel übersetzen lässt, bilden ikonisch gewordene Darstellungen des Körpers aus verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte und mediale Inszenierungen von Körpercodes in Politik, Sport oder Tanz. Gemeinsam mit dem Musiker Jean-Baptiste Julien entwickelt er eine Collage aus Performance, Lichtdesign, Videoprojektion und Komposition, die u.a. mehrere Nationalhymnen zu einem suggestiven Soundtrack verwebt. Sich selbst wie ein Exponat ausgestellend, dreht sich Rachid Ouramdane zu Beginn des Stücks auf der in starken Schwarz-Weiß-Kontrasten gehaltenen Bühne auf einer Art Drehscheibe um seine eigene Achse. Die reduziert eingesetzten Videobilder, die in ihrer Statik an Porträts erinnern, zeigen ihn mit verschiedenen Masken, die zwischen kriegerischer Tarnbemalung und clownesker Überzeichnung oszillieren und zu „tiefsinnigen und allgemeingültigen Gedanken über Macht, Identität und der unberechenbaren Seite von patriotischen Symbolen führt“, so die Journalistin Marie-Valentine Chaudon. „Die unglaubliche Dichte von ‚Exposition universelle“ ist der brillante Beweis für die absolute Notwendigkeit von Kunst, um die Welt verstehen zu können“.
Rachid Ouramdane arbeitete mit Künstlern wie Emmanuelle Huynh, Odile Duboc, Hervé Robbe, Meg Stuart, Christian Rizzo, Alain Buffard und Julie Nioche zusammen. Rachid Ouramdane gründete wurde mit Stücken wie „Les morts pudiques“ international bekannt. Das Solo „Loin“, das u.a. semi-biografische Bezüge auf seine „dritte Identität“ als Nachkomme algerischer Einwanderer enthält, war im Juli 2010 während des Festivals „Theater der Welt“ in Essen zu sehen.


„Welche Narben hinterlässt die politische Geschichte auf den Körpern?“ Rachid Ouramdane

Konzept, Choreografie: Rachid Ouramdane; Musik: Jean-Baptiste Julien; Performance: Rachid Ouramdane, Jean-Baptiste Julien; Licht: Yves Godin; Assistenz: Stéphane Graillot; Video: Jacques Hoepffner; Kostüm, Maske: La Bourette. Eine Produktion von L’A., koproduziert von Bonlieu Scène nationale Annecy, Théâtre de la Ville Paris, Musée de la danse Rennes, Réseau Open Latitudes (Latitudes Contemporaines:  Les Halles de Schaerbeek Brüssel, L’Arsenic Centre d’Art scénique contemporain Lausanne, Le Manège Mons/Maison Folie, BodyMind, Danae Festival, SinARTs und Le Phénix mit Förderung durch das EU-Kulturprogramm. Mit Unterstützung von Centre national de Danse Contemporaine Angers, Théâtre Universitaire Nantes und SPEDIDAM. Das Düsseldorfer Gastspiel wird gefördert durch das Institut français. Foto: Patrick Imbert.

 

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