Ligia Lewis

„minor matter“

Fr 08.12. 20:00 + Sa 09.12. 20:00

Kann die Black Box des Theaters zum Erfahrungsraum von Blackness werden? Und wie kann eine schwarze Position innerhalb eines weiß-dominierten Kanons mitgedacht werden? Die Choreografin Ligia Lewis und ihre zwei Mittänzer nehmen sich in „minor matter“ westeuropäische ikonische Choreografien und Bilder vor, schreiben ihre Körper in diese Sprache ein und transformieren dadurch das Ausgangsmaterial. Zu barocker Musik trifft Wrestling auf elegante höfische Posen und Maurice Béjarts Bolero-Ballett, ein Klassiker der Tanzgeschichte, wird in eine afroamerikanische Steppnummer überführt.
Dabei geht es Ligia Lewis aber nicht um Gegensätze, vielmehr erreicht sie durch unendliche Überlagerungen eine neue Form von Abstraktion. Ihre Ästhetik ist nicht minimal, sondern maximal. Als Leitmotiv durchziehen Bilder des Todes das Stück, etwa wenn die Tänzer*innen mit schwarz tränenden Augen ganz in blutrotes Licht getaucht auftreten oder den Death Drop des Voguing und das Headbanging des Death Metal zitieren. Den gesamten Theaterapparat mobilisierend, erschafft sie einen pulsierenden sozialen und poetischen Raum, der uns Gemeinschaft neu denken lässt. In einer Zeit des zunehmenden Rassismus hält Ligia Lewis ein starkes Plädoyer für eine Politik der Minderheiten.
Nach ihrem Solo „Sorrow Swag“, 2015 beim ImPulsTanz Festival mit dem Prix Jardin d’Europe ausgezeichnet, ist „minor matter“ der zweite Teil ihrer Trilogie „BLUE, RED, WHITE“. Sie zeigt ihre Arbeiten sowohl im Theater als auch im Museum, zuletzt in der Tate Modern in London. Ligia Lewis zählt neben Claire Cunningham und Choy Ka Fai zu den drei neuen Factory Artists am tanzhaus nrw. Soeben erhielt sie den renommierten Bessie Award für „minor matter“.

Dauer: 60 Min. / anschl. Gespräch mit dem afroamerikanischen Künstler Isaiah Lopaz aus Berlin / Sa 19:00 Physical Introduction

„Die großen Themen wie Rassismus, Ausgrenzung, Gefährdung, Zwang zu Selbstdefinition und Selbstbehauptung, Lust, Liebe, Erotik, Tod sind immer anwesend, ohne konkret gezeigt zu werden.“ Frank Schmid, kulturradio, 26.11.2016

Martha Glenn Martha Glenn

Konzept, Choreografie: Ligia Lewis; Performer: Jonathan Gonzalez, Ligia Lewis, Tiran Willemse; Musikalische Dramaturgie: Michal Libera; Styling: Alona Rodeh; Licht: Andreas Harder; Dramaturgie: Ariel Efraim Ashbel; Assistenz: Martha Glenn; Produktionsleitung: björn & björn; Distribution: Nicole Schuchardt/HAU Hebbel am Ufer. Fotos: Martha Glenn. Eine Produktion von Ligia Lewis, koproduziert durch HAU Hebbel am Ufer. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und den Fonds Darstellende Künste e.V. Die Veranstaltung wird ermöglicht durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ im Rahmen der Gastspielförderung Tanz aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Kultur- und Kunstministerien der Länder.

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