Eisa Jocson

„Princess“

Im Rahmen der Reihe CEREMONY NOW!

Do 28.09. 20:00 + Fr 29.09. 20:00

Strahlend winkt uns die Disney-Prinzessin aus Filmen, Parks und hier nun von der Bühne entgegen denn weltweit hat sich Schneewittchen zum Inbegriff des glücklichen Mädchens etabliert. Die in Manila lebende Choreografin Eisa Jocson geht diesem scheinbar universellen Glücksversprechen zusammen mit dem Performancekünstler Russ Ligtas auf den Grund: Sie schlüpfen in die Haut Schneewittchens. Zwischen ehrlicher Akribie und schriller Überhöhung lassen sie das überglückliche Prinzessinnentum ins Rutschen geraten. Die Herstellung der Figur, ihre Bewegungen und Sprachformeln werden einstudiert und die Konversation mit der Prinzessin erprobt: Hoch artifiziell kommt die Prinzessin daher und gleichzeitig so eigenartig vertraut. Jedoch unter welchen Bedingungen entsteht so eine Prinzessin?
Eisa Jocson wirft mit ihrer detailgenauen Studie einen Blick auf die Glücksindustrie, die alles andere als Glanz und Gloria ist. Insbesondere in Disneyland Hong Kong werden professionelle Tänzer*innen von den Philippinen angeheuert. Sie werden aber aufgrund ihrer Hautfarbe und Herkunft in die Nebenrollen der Märchen verdrängt und nie in das Kostüm für die Prinzessin mit Lippen rot wie Blut, Haare schwarz wie Ebenholz und Haut weiß wie Schnee schlüpfen können. Damit eröffnet das Spiel mit Archetypen und Glückszeremonien in der Verdoppelung durch die beiden Darsteller*innen einen neuen Blick auf den globalen Kreislauf der Arbeitskräfte, Bildervorräte und vorgeblichen Ideale. Beständig balanciert Eisa Jocson etwa zwischen einer perfekten Imitation, einer subtilen Zerlegung und einem scharfen Blick auf die Vergnügungsindustrie.
Als bildende Künstlerin mit Balletthintergrund kam Eisa Jocson über den Pole Dance zum zeitgenössischen Tanz. In ihren Stücken setzt sie sich mit den Verschränkungen von Geschlecht, Arbeit, Migration und Körperlichkeit auseinander.

Dauer: 70 Min. / in englischer Sprache / Fr 19:00 Physical Introduction / Fr anschl. Gespräch

Was ist eine Physical Introduction? Die Physical Introduction ist ein neues Format für Zuschauer am tanzhaus nrw. Sie richtet sich an alle Interessierten, die vor einer Bühnenvorstellung Lust haben, die besondere Bewegungsqualität oder die choreografische Idee eines Stücks kennenzulernen. Unter der Leitung von erfahrenen Dozenten wie Anja Bornsek geht es darum, selbst in Bewegung zu kommen. Die Physical Introduction bereitet uns als Zuschauer vor, alle Sinne zu schärfen und Zugang zum Geschehen auf der Bühne zu bekommen. Es geht nicht darum, konkrete Szenen der Performance nachzuspielen, sondern über Improvisation und andere kreative Übungen die charakteristischen Bewegungsprinzipien und Intentionen eines Stücks nachempfinden zu können. Klar ist: Es macht einfach Spaß! Für das 45-minütige Warm-up sind keine Vorkenntnisse nötig. Bequeme Kleidung bietet sich an, ist aber kein Muss.

Choreografie: Eisa Jocson; Performance: Eisa Jocson, Russ Ligtas; Musik: Marc Appart; Creative Presence: Arco Renz; Licht: Florian Bach; Coaching: Rasa Alksnyte; Produktion: Tan Fu Kuen, Anne Kleiner; Assistenz: Marcus P. Tesch. Eine Produktion von Eisa Jocson und dem Künstlerhaus Mousonturm, koproduziert durch die Frankfurter Positionen, Münchner Kammerspiele und das tanzhaus nrw. Mit Unterstützung von Pianofabriek Brüssel und Para Site Hong Kong. Das Gastspiel findet statt im Rahmen der Programmserie CEREMONY NOW!, unterstützt durch die Kunststiftung NRW. Weiterhin gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

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