Claire Cunningham

„Give Me A Reason To Live“

Mo 02.10. 20:00 + Di 03.10. 20:00

Die apokalyptischen Darstellungen der Welt des Renaissancemalers Hieronymus Bosch beinhalten immer wieder Motive Behinderter als Bettler*innen. Die Choreografin Claire Cunningham nimmt diese Bilder zum Ausgangspunkt für eine einfühlsame Reflexion der dort dargestellten Verbindung von Sünde und körperlicher Differenz sowie den damit einhergehenden religiösen, moralischen und politischen Überzeugungen. Mit ihrem Solo, in dem sie ihren eigenen Körper der schonungslosen Betrachtung und physischen Belastung aussetzt, stellt sie auch unsere gegenwärtige Wahrnehmung vom Anderen und dem Anderssein infrage. Diese Arbeit von großzügiger, aber auch brutaler Unmittelbarkeit fordert uns auf, unsere eigene Empathie, Sympathie oder Indifferenz zu überdenken. Dahinter steht die These, dass sich eine Gesellschaft angesichts zunehmender Verunsicherung – wie bereits zu Boschs Zeiten – gegen diejenigen wendet, die als am schwächsten wahrgenommen werden. So widmet die Choreografin ihr Solo den Opfern der nationalsozialistischen Euthanasieprogramme ebenso wie jenen, die heute den Sozialhilfekürzungen und diskriminierenden Effekten der britischen Sozialreformen ausgesetzt sind. Claire Cunninghams markante Bewegungssprache trifft auf die hypnotisierenden Klänge der Soundkünstlerin Zoë Irvine und gipfelt im Gesang einer Bach-Kantate.
Die in Glasgow beheimatete Choreografin ausgebildete Sängerin und Performerin Claire Cunningham versteht ihre Kunst gleichzeitig auch als Aktivismus und hat aus ihrer spezifischen Körperlichkeit einen eigenen Tanzstil auf Krücken entwickelt. Claire Cunningham zählt neben Ligia Lewis und Choy Ka Fai zu den drei neuen Factory Artists am tanzhaus nrw.

Dauer: 45 Min. / Di anschl. Gespräch / So 01.10. 11:00 – 14:00 Movement Exploration Workshop mit Claire Cunningham

„Claire Cunningham hat einen ganz einzigartigen, poetischen Stil entwickelt. Sie nutzt die Krücken, um damit über dem Boden zu schweben, sie kämpft mit ihnen, lässt sich tragen.“ Anna Pataczek, rbb 24, 19.08.2016

Foto: Hugo Glendinning Foto: Hugo Glendinning

Choreografie, Performance: Claire Cunningham; Lichtdesign: Karsten Tinapp; Sounddesign: Zoë Irvine; Cello: Matthias Herrmann; Zusätzliche Musik: Jean Mouton »Nesciens Mater«, J.S. Bach »Den Tod«; Kostüm: Shanti Freed; Mentor*innen: Kristin De Groot, Janice Parker; Produktionsmanagement, Technik: Greogor Knüppel; Produktion: Nadja Dias; Produktionsassistenz: Sheena Khanna. Fotos: Hugo Glendinning. Eine Produktion von Claire Cunningham, unterstützt durch die Bosch 500 Foundation, Dance Umbrella, Comune di Bassano del Grappa, La Briqueterie, D.ID Dance Identity, Festival CEMENT, Dansateliers Rotterdam, The Work Room und Dance House.

Newsletter
X
Spinner_newsletter