...wurde 1998 ein in Europa annähernd einzigartiges Haus für den Tanz eröffnet: das tanzhaus nrw. Auf 4.000 Quadratmetern Fläche ist es zugleich Aufführungsort (Bühne) mit rund 200 wechselnden Bühnenveranstaltungen im Jahr auf zwei Bühnen, anerkannte Weiterbildungsstätte (Aktiv) mit durchschnittlich 300 Kursen und Workshops wöchentlich in acht Studios, ein Zentrum für Tanz mit und für Kinder und Jugendliche (Junges Tanzhaus) sowie ein Produktionszentrum (Professional) für professionell tätige Künstler.
Das tanzhaus nrw ist aus der Werkstatt hervorgegangen, die bereits seit Mitte der 1970er-Jahre den zeitgenössischen Tanz in seiner ästhetischen und kulturellen Vielseitigkeit einem stetig wachsenden generationsübergreifendem Publikum näher bringt. Vor dem Hintergrund seiner mehr als 30-jährigen Vermittlungsarbeit ist es dem tanzhaus nrw gelungen, verschiedene Bereiche des Tanzes, die räumlich und strukturell in der Regel voneinander getrennt werden, unter einem Dach zusammenzufügen: Es ist Theater und Tanzschule zugleich, Produktionsstätte für freie Choreografen aus Nordrhein-Westfalen und Europa und international respektiertes lebendiges Modell zur Förderung der Sparte Tanz auf allen Ebenen.
... über Multimedia-Performances bis Performance-Art: In über 200 Bühnenveranstaltungen jährlich präsentiert das tanzhaus nrw im Rahmen von Festivals, Gastspielen, thematischen Reihen und Koproduktionen die internationale Bandbreite des zeitgenössischen Tanzes. Die Highlight-Reihe bietet internationale Gastspiele renommierterer zeitgenössischer Choreografen wie Marie Chouinard (CA), Jan Fabre (BE), Alain Platel (BE), Crystal Pite (CA), Olga Pona (RU) oder Germaine Acogny (SN). Die Reihe "Now & Next" ist Plattform für den choreografischen Nachwuchs. Publikumsgespräche, Offene Proben, Filmdokumentationen und Einführungen vor den Veranstaltungen ergänzen den Spielplan. Von Flamenco über Stepptanz bis Tango: Einen anderen künstlerischen Schwerpunkt bilden die Festivals "Tänze der Welt". Dazu zählen das Flamenco- und Tango-Festival, die Orientale, tap ahead und die AfroLatin-Woche mit einer Vielzahl von Workshops und einem stetig wachsenden Bühnenprogramm. Diese Festivals schaffen eine intensiv erlebbare Verbindung der unterschiedlichen kulturellen und ästhetischen Ausdrucksformen im Unterrichtssaal sowie auf der Bühne.
... entsteht u.a. durch die vielen, aus allen Teilen der Welt stammenden Dozenten, die - von Modern Dance über Samba bis Pilates - mehr als 3.000 Kurs- und Workshopteilnehmer mit und ohne Tanzerfahrung unterrichten. Das Angebot wendet sich an alle Generationen zwischen zwei und 75 Jahren und lebt stark von den künstlerisch geprägten Persönlichkeiten. Das Kurssemester endet regelmäßig mit einem großen Fest, bei dem alle Teilnehmer erste Erfahrungen vor Publikum sammeln.
Pionierarbeit leistet das tanzhaus nrw gemeinsam mit einer Vielzahl von Künstlern und anderen Kulturschaffenden, um Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an die Sparte Tanz heran zu führen. Dies findet sowohl im Theater als auch im Unterrichtssaal statt: Tanz wird für den jungen Zuschauer oder den jungen Tänzer entweder im Unterrichtssaal oder auf der Bühne (im besten Falle auf beiden Ebenen) erlebbar. Bereits durch die Landeshauptstadt Düsseldorf im Jahr 2004 mit einer Sonderehrung ausgezeichnet, verstärkte das tanzhaus nrw diese Arbeit mit dem durch die Kulturstiftung des Bundes initiierten Tanzplan Deutschland und dem sehr erfolgreichen Projekt "Take-off: Junger Tanz", das über das Jahr 2010 hinaus mit Unterstützung von Stadt und Land forgesetzt wird.
Im Jahr 2000 erhielten der Architekt Jochen Boskamp und das tanzhaus nrw die Auszeichnung "Vorbildliche Bauten in Nordrhein-Westfalen".
Link_Goethe-Institut: Kurzportrait des tanzhaus nrw/Autor Arnd Wesemann
Fotos: Ulrich Otte DMT, Katja Illner